EIN RÜSTUNGSABKOMMEN?
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nach Erweiterung des Kaiser-Wilhelm-Kanals und Fertigstellung derHelgolandposition überstanden sein. Schon in zwei Jahren werde sieerheblich geringer sein.
Der Herr Reichskanzler: ,Das ist sehr schön. Die Frage ist aberimmer wieder: Wie kommen wir über die derzeitigen Gefahren weg?'
Admiral von Tirpitz hält eine Beseitigung der Gefahr durch eineVerständigung über Neubauten im Verhältnisse 3 : 4 für möglich.
Der Herr Reichskanzler ersucht den Staatssekretär des Reichs-marineamts, den Befehlen Seiner Majestät gemäß eine Formel für eineVerständigung auszuarbeiten. Er macht aber dabei darauf aufmerksam,daß keine Diplomatie der Welt die englische Regierung dahin bringen könne,eine Formel zu akzeptieren, die England als für seine Existenz bedrohhcherscheine.
Admiral von Tirpitz kann der Aufstellung einer Formel im jetzigenAugenbücke keinen Wert beimessen. Besonders, da bei der praktischenVerwendung derselben durch einen anderen in etwaigen Verhandlungenmit den Engländern leicht Mißverständnisse unterlaufen könnten. Einesolche Formel könne nur als eine Vorbereitung aufzufassen sein für denFall, daß England tatsächlich einen Schritt zur Annäherung an uns zumZwecke der Herbeiführung eines Rüstungsabkommens tun sollte. Erstnach dem Maße der englischen Annäherung würde zu beurteilen sein,welche Gestalt eine eventuelle Formel anzunehmen habe. Der Staats-sekretär von Tirpitz wiederholt im Anschluß daran seine früher gemachtenAusführungen (s. S. 5 des Protokolls), daß nach dem Verhalten der eng-lischen Regierung in diesem Frühjahr die Initiative nicht von uns ausgehendürfe.
Der Herr Reichskanzler bittet schließlich, die Tatsache und den Inhaltdieser Besprechung streng geheim zu halten."