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DIE GEFAHRZONE 1915 ÜBERSTANDEN
Standpunkt, daß wir keinerlei Chance haben, einen Konflikt mit England erfolgreich auszufechten. Eine ehrenvolle Verständigung, etwa auf der Basiseiner Verlangsamung des Bautempos, scheine daher auch ihm erstrebens-wert. Dabei dürfe man sich freilich nicht verhehlen, daß ein Scheitern vonVerständigungsversuchen den Krieg bedeuten könnte. Der Herr Beichs-kanzler weist wiederholt auf die Gefahren der Situation hin. Die einzigeschwarze Wolke lagere zur Zeit über der Nordsee , aber sie sei gewitterschwer.Admiral Tirpitz hebt den von Jahr zu Jahr wachsenden Wert unserer Flottehervor, auch in den Beservebildungen. Ein etwaiges Hinausziehen desBauprogramms um fünf Jahre, also bis 1925, wie es Graf Metternich imAuge zu haben scheine, würde für uns aber den Verlust von fünfzehnCapital Ships bedeuten. Wolle man solche Verlangsamung, dann werde dasganze Flottenprogramm wertlos.
Staatsminister von Bethmann: ,Das Erstarken unserer Flotte isteben das, was die Engländer erkannt haben und was sie so lebhaft beun-ruhigt. Was könnte unsere Marine bieten, wenn eine freundschaftliche An-regung seitens Englands zu erneuter Besprechung erfolgen sollte?'
Admiral von Tirpitz: ,Unser etwaiges Angebot kann sich nur nacheinem englischen Vorschlag richten, nicht vorher formuliert werden.'
Staatsminister von Bethmann: ,Ist nicht eine Verlangsamung des Bau-tempos in dem Sinne möglich, daß wir im nächsten Jahr nicht vier,sondern nur drei Schiffe bauen, wenn die Engländer ihrerseits sich auf vierNeubauten beschränken — immer nur Capital Ships gerechnet ?'
Admiral von Tirpitz führt aus: Zu einer solchen Verlangsamung desBautempos sei eine Änderung des Flottengesetzes nicht erforderlich,eine Verlangsamung von vier auf drei Schiffe lasse sich im Etat durch-führen.
Der Herr Beichskanzler konstatiert, daß die Verlangsamung also mög-lich sei, ohne daß dies zu Debatten im Beichstag führe oder überhaupt sehr indie Öffentlichkeit trete. Admiral von Müller betont, es dürfe kein Mißver-ständnis darüber bestehen, daß eine Verständigung mit England auf Basis derVerlangsamung des Bautempos nur unter der Bedingung zustande kommendürfe, daß auch England eine Gegenleistung auf dem gleichen Gebiete, alsoebenfalls eine Verlangsamung, bietet. Alle Anwesenden sind darüber einig,daß solche Gegenseitigkeit unbedingt Voraussetzung für das Zustande-kommen einer Verständigung sein müsse. Insbesondere wiederholt derHerr Beichskanzler, daß England uns nicht nur volle Gegenseitigkeit aufmilitärisch-technischem Gebiet, sondern auch eine politische Assekuranzgeben müsse.
Admiral von Tirpitz führt aus: Nach seiner Ansicht würde die Gefahrzonein unserem Verhältnis zu England in fünf bis sechs Jahren, also etwa 1915,