DIE NEUEN KABINETTSCHEFS
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Graf Hülsen-Hacseler ein langjähriger und persönlicher Freund. Hülsenwar während der Novemberkrisis im Schlosse Donaueschingen von einemHerzschlag gerührt tot umgesunken, nur wenige Stunden nachdem er demKaiser dringend geraten hatte, sich nicht von mir zu trennen. Sein Nach-folger, General von Lyncker, war ein tüchtiger Militär, ein tadelloser Ehren-mann, aber ohne Initiative. Er betrachtete sich nur als immer dienst-bereiten und dienstbeflissenen Generaladjutanten. Und endlich war an dieStelle des sehr klugen, sehr gewandten, mir gleichfalls treu ergebenenLucanus Herr von Valentini getreten. Ein geistreicher russischer Freund,Ernst Meyendorff, sagte mir einmal: „Une longue experience m'a prouvequ'on ne reussit jamais ä tuer son successeur." Lucanus kannte die Wetter-wendigkeit Seiner Majestät. Als er zu bemerken glaubte, daß der hohe Herrfür den Vortragenden Rat in Allerhöchstseinem Kabinett, Herrn von Berg,Korpsbruder und persönlichen Freund Seiner Majestät, große Vorliebezeigte, sorgte er für dessen Versetzung. Zu seinem Nachfolger wählteLucanus den Regierungspräsidenten in Frankfurt a. 0., Herrn von Valentini,der ihm so unbeträchtlich erschien, daß er ihn als Chef des ZivilkabinettsSeiner Majestät für ausgeschlossen hielt. Seinen eigentlichen Zweck, Bergaus der Umgebung Seiner Majestät zu entfernen, hat Lucanus nicht erreicht,denn Berg wurde schließlich doch, nicht lange vor dem Umsturz, Chef desZivilkabinetts. Valentini hat aber während eines Jahrzehnts Gelegenheitgehabt, seine Unbedeutendheit und leider auch seinen Mangel an Charakternur zu reichlich an den Tag zu legen. Ich füge den letzten Brief bei, den ichvon Lucanus kurz vor dessen Heimgang erhielt: „Eure Durchlaucht habenmich erfreut und beglückt durch den so warmen Ausdruck Ihrer Teilnahmean meinem Wohlergehen. Ich habe das Bett verlassen dürfen und hoffe, baldwieder auf dem Posten zu sein. Wie viele und große Aufgaben harren jetztder Lösung durch Ihre Hand! Möge Gottes Schirm und Schutz über EurerDurchlaucht walten. In unwandelbarer Verehrung und steter Anhänglich-keit bin und bleibe ich Eurer Durchlaucht treu und dankbar ergebener vonLucanus."
Schmerzlicher noch als der Wegfall der drei Kabinettschefs hatte michder Heimgang meines verehrten und heben Kriegsobersten, meines lang- Tod des Fcld-jährigen väterlichen Freundes, des Generalfeldmarschalls von Loe, be- Marschallstroffen, der zur großen Armee abberufen worden war. Tiefbewegt richtete von °*ich an seine Witwe, die erst vierzehn Jahre später, fast neunzig Jahre alt,ihrem Gatten in die Ewigkeit folgte, das nachstehende Telegramm: „DieNachricht von dem Heimgang Ihres hochverehrten Mannes hat mich tiefbewegt. Der Name des verewigten Feldmarschalls wird unvergänglichfortleben in der preußischen und in der deutschen Geschichte. Er war einRitter ohne Furcht und Tadel, treu Gott, König und Vaterland. Sein