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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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DIE REICHSFINANZREFORM

Europa den Frieden zu diktieren, uns vor einem Kriege zu bewahren.Die Nörgler sind nun still. Die jüngsten großzügigen Reden Eurer Durch-laucht im Reichstag haben sowohl dort selbst, aber auch in der ganzen in-und ausländischen Presse, wie bei allen patriotisch gesinnten MännernZustimmung und Bewunderung hervorgerufen. Mag dies Ihnen eine kleineEntschädigung bieten für die unsägliche Mühe und Arbeit, für die gehässigenAngriffe und Verdächtigungen, die Durchlaucht in neuerer Zeit über sichergehen lassen mußten. Das schönste und edelste ist doch das Bewußtsein,für Deutschland Großes geleistet zu haben. Gestatten Sie einem Mann,der den Krieg 70/71 mitgemacht, der dann unter vier Reichskanzlernlänger als ein Vierteljahrhundert als Minister und Bundesratsbevollmäch-tigter das Glück hatte, Zeuge der großartigen Entwicklung und Macht-entfaltung unseres Vaterlandes sein zu dürfen, daß derselbe Eurer Durch-laucht zu diesem großartigen Erfolge seine ebenso aufrichtigen als herz-lichsten Glückwünsche darbringt. Es erübrigt sich nun, noch eine ebensowichtige wie schwierige Frage der Erledigung zuzuführen. Wichtig, weilhiervon die fernere Machtstellung Deutschlands abhängt, schwierig, weildie Zersplitterung der Meinungen selbst in großen Fragen bei uns eineschwer zu heilende Krankheit ist. Es ist dies die Reichsfinanzreform!Durchlaucht haben in einer von mir soeben gelesenen Rede im Reichstageso klar und überzeugend den Weg bezeichnet, der zu beschreiten ist.Alles ist über die absolute Notwendigkeit der Reform einig, fast alles istder Uberzeugung, daß neben einer Konsumsteuer auch eine BesitzsteuerPlatz greifen muß, niemand hat bisher einen akzeptablen Gegenvorschlaggemacht, und trotz alledem wird man nicht einig. Wir sind in Süddeutsch-land auch schwer an die Nachlaß- oder Erbschaftssteuer gegangen, aber esmuß eben sein, weil kein anderer Ausweg für die restlichen hundert Millionenzu finden ist. Ich hoffe und glaube, daß der Widerstand der Konservativen,wenigstens der Mehrzahl derselben, noch zu beheben ist. Die gestrige RedeEurer Durchlaucht wird wohl dazu beitragen! Es wird hier viel für dasZustandekommen der Reform gearbeitet. Verzeihen Eure Durchlaucht,daß ich Ihre kostbare Zeit über Gebühr in Anspruch nehme, aber wenn dasHerz voll ist, geht der Mund über. Stets in unbegrenzter Verehrung EuerDurchlaucht ganz ergebenster Dr. Graf von Feüitzsch, k. Staats-minister a. D."

Graf Feilitzsch, ein Staatsmann von langjähriger und reicher Erfahrung,Reden im hob nicht mit Unrecht die günstige Wirkung meiner Reden auf die Stim-Reichstag und mun g j m Lande hervor. Ich habe es mir gerade am Ausgang meiner amt-Abgeordneten u c jj en Tätigkeit angelegen sein lassen, über den Reichstag hinaus zumLande zu sprechen und unserem Volk noch einmal die Grundwahrheitenvor Augen zu halten, von deren Erkenntnis unsere Zukunft abhing. In