NICHT IN DER STIMMUNG
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entgangen sei. Das sei ein Wort, über das Bierbankpolitiker und Zimmer-strategen die Achsel zucken, das tiefgründigen Metaphysikern oberflächbcberscheinen könne, das sich aber in der politischen Praxis oft bewährt habe.
Die Antwort auf meinen Brief war in der Form überaus verbindlich,sachlich nicht tröstlich. Seine Majestät der Kaiser sei gerade jetzt nichtin der Stimmung, auf noch so wohlgemeinte Warnungen zu hören. Dieerhebenden Erinnerungen des Jubeljahres 1913, die überwältigenden Be-weise von Treue und Dankbarkeit, die der Dynastie und ihm selbst beiseinem fünfundzwanzigjährigen Regierungsjubiläum dargebracht wordenseien, vor allem die Vermählung seiner einzigen Tochter mit dem Erbendes endlich versöhnten Weifenhauses hätten begreiflicherweise das Selbst-gefühl Seiner Majestät mächtig gehoben. Der Augenblick, wo seine Tochter,geleitet von dem König von England und dem russischen Zaren, zum Altargeschritten sei, erscheine dem hohen Herrn als der Höhepunkt seinesLebens und Wirkens, als ein sichtbares Zeichen, daß Gott mit ihm und mituns sei. Schon vorher hatte mir der diensttuende Generaladjutant undKommandant des Hauptquartiers Generaloberst von Plessen geschrieben,es dränge ihn, mir von der „jubelnden Freude" zu berichten, die im BerlinerSchlosse alle Herzen erfülle ob der Verlobung. „Die Majestäten sind glück-selig, und das hohe Brautpaar strahlt. Gottes Hand hat wunderbar ge-waltet."
Freude war in Trojas Hallen,Eh' die hohe Feste fiel.