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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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WAS HÄTTE BÜLOW GESAGT?

zwischen Österreich-Ungarn einerseits, Rußland und Serbien andererseitszu einer schweren Krisis führen, eine solche zu Rüstungen, das heißt zuakuter Kriegsgefahr. Frankreich werde sich sofort auf die Seite derRussen stellen. Es wäre seit einem Vierteljahrhundert nie zweifelhaft ge-wesen, daß im Falle eines deutsch -französischen Zusammenstoßes dieRussen vielleicht einige Zeit zögern könnten, bevor sie gegen uns gingen,daß aber bei einem russisch -deutschen Konflikt die französischen Gewehrevon selbst losgehen würden. Und wenn, hätte ich geschlossen, wir uns imKriege mit Rußland und Frankreich befänden, wäre es mehr als wahr-scheinlich, daß England eine so glänzende Konjunktur benutzen würde, umohne unverhältnismäßiges Risiko für sich selbst seinen gefährlichstenRivalen in Handel, Schiffahrt und Industrie abzuwürgen, zumal dieserwirtschaftliche Rivale zugleich der mächtigste Kontinentalstaat wäre, alsonach alter englischer Auffassung sein traditioneller Gegner. Ich hättegefragt, ob wir im Falle eines Krieges der Italiener und Rumänen sicherwären. Ich bemerke ausdrücklich, daß eine solche Sprache von meinerSeite in keiner Weise ein Beweis besonderen politischen Scharfsinns oderauch nur größerer diplomatischer Erfahrung gewesen wäre. Ich wiederhole,daß Metternich, Mühlberg, Brockdorff-Rantzau, Bernstorff, Mumm, Rosen,jeder normale deutsche Diplomat nach meiner Überzeugung im Juli 1914sich so aussprechen mußte.