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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
Entstehung
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XIII. KAPITEL

Rücktrittsabsichten Bethmann Hollwegs Heroische Stimmung und Haltung desdeutschen Volkes Bethmanns Kriegserklärung an Rußland , seine Motive Unge-schickte diplomatische Behandlung Italiens Rumänien Gespräch mit Fürst Wedelüber die militärische Lage Die Telephonate Lichnowskys mit Grey Der Fall LüttichsGeneral Ludendorff Die ersten Nachrichten über die Marneschlacht Der Einfall inBelgien Der Schlieffensche Plan Rede Bethmanns über Belgien vom 4. August 1914

Der Fetzen Papier

taatsmännern und Völkern, die in ihr Verderben rennen, bietet, wie die

Geschichte lehrt, die Vorsehung oft noch eine letzte Möglichkeit, dem 1870 und 1914

Sturz zu entgehen. Fürst Bismarck hat in meiner Gegenwart in den achtzigerJahren einmal ausgeführt, daß, wenn Emile Ollivier und der Duc deGramont im Jahre 1870 den Verzicht des Erbprinzen Leopold von Hohen-zollern klug und geschickt ausgenutzt hätten, sie dem Kriege ausgewichenwären und gleichzeitig einen starken politischen Erfolg erzielt haben würden.Nach dem Eintreffen, meinte Bismarck, jenes Telegramms des Fürsten Karl Anton von Hohenzollern , in dem er erklärte, im Namen seines Sohnes,des Erbprinzen Leopold, auf den spanischen Thron zu verzichten, hätteOllivier sofort in das Corps legislatif gehen und dort etwa erklären müssen:II y a peu de temps, la candidature d'un prince prussien au trone deCharles-Quint avait surgi. La France a eleve sa voix, la France a ete obeie.Les bons rapports entre la France et sa noble sceur, l'Espagne, n'ont jamaisete troubles. Quant ä ceux, dont les ambitions et les intrigues ont mis endanger la paix europeenne, nous esperons et l'Europe espere avec nousqu'ils ne recommenceront pas." Nachdem Fürst Bismarck ungefähr so dieRede skizziert hatte, die Herr Emile Ollivier hätte halten können, wenn ereben nicht Ollivier, das heißt ein Schwachkopf gewesen wäre, fuhr er fort:Was hätte ich erwidern können? Ich wäre in eine schwierige Situationgeraten. Meine Stellung war damals nicht so fest, wie sie später wurde,weder dem Ausland gegenüber noch im Inland. Mein alter Herr war keines-wegs kriegerisch oder auch nur unternehmungslustig, der Kronprinzebensowenig. Die fürstlichen Damen, die Königin Augusta und die FrauKronprinzessin, waren gegen mich. Alle meine inneren Gegner, die Demo-kratie in ganz Deutschland , die norddeutschen Fortschrittler und die

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