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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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FALKENHAYN

nicht nur neben sich ertrug, sondern ihn hielt und stützte, erinnert an dasVerhältnis des alten Blücher zu seinem Gneisenau. Alle vier gehören füralle Zeiten in die deutsche Ruhmeshalle.

Der durch den katastrophalen Ausgang der Marneschlacht notwendigWar Verdun gewordene Wechsel in der obersten Heeresleitung führte den preußischenein Fehler? Kriegsminister von Falkenhayn an die Stelle des Generalobersten vonMoltke. Erich von Falkenhayn war, was Goethe und nach ihm Spielhageneine problematische Natur genannt haben, ein Typus, der im französischen,russischen, spanischen, selbst im österreichischen Heere nicht selten, aberin der preußischen Armee, wenigstens an den höchsten Stellen, kaum ver-treten war. Sohn einer alten pommerschen Adelsfamilie, mit allen gutenEigenschaften des aus dem Junkertum hervorgegangenen Offiziers, wage-mutig, kräftig, nie ängstlich oder gar erschrocken, äußerlich anzuschauenwie ein Kriegsgott, hatte er schon als junger Infanterieoffizier wegenSchulden den Dienst quittieren müssen, war nach China gegangen undhatte sich dort mit der Ausbildung chinesischer Rekruten ziemlich kümmer-lich durchgeschlagen, aber sich den Weltwind um die Ohren gehen lassen.Durch den Feldmarschall Waldersee , dem sein gutes Aussehen, seineAnstelligkeit und seine Brauchbarkeit auffielen, nach Deutschland zurück-gebracht, machte er von da an eine ungewöhnlich rasche Karriere. Er wurdevom Generalobersten von Moltke protegiert, der sich damit freilich wennauch nicht gerade eine Schlange am Busen, so doch den zukünftigen Nach-folger erzog. Mit seinen Vorzügen wie mit seinen Schwächen war derGeneral von Falkenhayn ganz der Mann, Kaiser Wilhelm II. zu gefallen.Wenn Moltke , körperlich schon sehr verbraucht, mit starker Neigung zumystischen Spielereien und zu theosophischem Grübeln, den Kaiser,sobald sich das Glück von uns abzuwenden schien, eher deprimiert hatte,so hob der frische, resolute, nie um eine Auskunft oder einen Ausweg ver-legene, forsche Falkenhayn sogleich die Stimmung Seiner Majestät. Dawar doch Nervenkraft und Verantwortungsfreudigkeit. Ich enthalte micheines Urteils über die militärischen Leistungen des Generals von Falken-hayn. War Verdun ein Fehler? War Ypern ein Fehler? Beide kostetenStröme von Blut, beide brachten keinen durchschlagenden Erfolg. Sicherscheint, daß Falkenhayn , dem die streng sachliche, wohl auch die ethischeGröße von Hindenburg abging, durch die Lässigkeit, um nicht zu sageneifersüchtige Engherzigkeit, mit der er wiederholt das dringende Ersuchenvon Ober-Ost um Verstärkung behandelte, eine schwere Verantwortung aufsich genommen hat. Dagegen erfordert die Gerechtigkeit, anzuerkennen,daß Falkenhayn für politische Fragen, Zusammenhänge und auch Ge-fahren mehrfach mehr Verständnis zeigte als Ludendorff. Niemals darf dasdeutsche Volk die Helden vergessen, die vor Verdun in einem Höllenfeuer