DIE ÖSTERREICHISCHEN HOHENLOHES
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Weltkrieges noch nachgezittert habe. Tatsächlich war jede österreichischeMaßnahme ein betrübendes Symptom für die Zerfahrenheit der öster-reichischen Politik und die am Wiener Hofe sich durchkreuzenden Intrigenund Ambitionen gewesen. Ich habe schon erwähnt, daß die Verlobung desErzherzogs Franz Ferdinand mit der hübschen Hofdame der ErzherzoginFriedrieb, der Gräfin Sofie Chotek , der Ausgangspunkt gespannter undunfreundlicher Beziehungen zwischen dem Hofe des Erzherzogs Friedrichund namentheh zwischen dessen Gemahlin, der Erzherzogin Isabella , einergeborenen Prinzessin Croy, und dem Erzherzog Franz Ferdinand , demkünftigen Kaiser, und Soferl Chotek wurde, die inzwischen zur Herzoginvon Hohenberg avanciert war und ihren Gemahl völlig beherrschte. Nach-dem aus ihrem Plane, ihre Tochter mit dem zukünftigen Kaiser von Öster-reich zu vermählen, nichts geworden war, akzeptierte die ErzherzoginIsabella als nach ihrer Auffassung ziemlich dürftigen Ersatz den PrinzenGottfried Hohenlohe . Der gehörte zu jenen österreichischen Aristo- Prinz
kraten, die durch Leichtsinn und Unfähigkeit viel zum Sturz des habs- Gott f ri <
Hohen
burgischen Reiches beigetragen haben. Ebenso ambitiös wie un- 0 enbrauchbar, litt er unter der Abneigung des leidenschaftlichen und jäh-zornigen Erzherzogs Franz Ferdinand, der nicht nur die ErzherzoginIsabella , sondern auch deren Angehörige mit seiner Ungnade strafte. Ersann darüber nach, wie diesem ihn sehr bedrückenden Zustand ein Endebereitet werden könnte, als ihm ein rettender Gedanke kam. GottfriedHohenlohe hatte einen Bruder, den späteren Oberhofmeister KonradHohenlohe, der damals Statthalter von Triest war. Beide Brüder Hohen-lohe kannten die an Idiosynkrasie streifende Abneigung des ErzherzogsFranz Ferdinand gegen das moderne Italien . Darum riet Gottfried seinemBruder Konrad, die erste Gelegenheit zu ergreifen, um als Statthalter vonTriest mit möglichstem Aufsehen und Lärm auf die Itahener zu hauen. Dastat denn auch der Statthalter Konrad Hohenlohe , und zwar gerade in demMoment, wo die Beziehungen zwischen Italien und Österreich sich wirklichgebessert hatten und von italienischer Seite zu dem Jubiläum der öster-reichischen Militärakademie in Wiener-Neustadt als besonderer Ab-gesandter des Königs von Italien ein italienischer General entsandt wordenwar, der seine militärische Ausbildung in dieser Akademie erhalten hatteund bei der Feier eine für das kaiserliche Heer achtungsvolle und schmeichel-hafte Ansprache hielt. Das Vorgehen des Statthalters Hohenlohe unmittel-bar nach diesem italienischen Entgegenkommen wurde natürlich in Italien als Affront empfunden und machte böses Blut. Doch der Erzherzog FranzFerdinand war entzückt über das Verhalten des Statthalters KonradHohenlohe . „Das hat der Konrad brav gemacht!" sagte er, während dreierTage froh gelaunt, zu jedem, dem er begegnete, und seine verbesserte