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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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DIE BELGISCHE PROPAGANDA

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gewichts und die Hegemonie Frankreichs auf dem europäischen Kontinentwie im Mittelmeer und in Nordafrika bedeutet. Diese traurigen Folgen desVersailler Vertrages entsprechen nicht dem wohlverstandenen InteresseItaliens . Weder Crispi, noch Minghetti, noch Cavour würden von einemsolchen Ergebnis nach den schweren von Italien gebrachten Blut- undGeldopfern befriedigt gewesen sein.

Die Propaganda der Entente arbeitete gerade in Rom nicht nur mitHochdruck, sondern auch mit Geschick. Ihre wirksamste Waffe war und Die Ententeblieb die Verletzung der belgischen Neutralität durch uns, unter, wie arbeitetimmer wieder hervorgehoben wurde, Nichtachtung und Bruch alter,feierlicher Verträge. Als ich bald nach meiner Ankunft in Rom über diePiazza di Spagna ging, bemerkte ich in dem Schaufenster einer Buch-handlung auf einem in Evidenz gestellten Karton mein Wappen. DieAufschrift des Kartons in roten Lettern lautete:Le chiffon de papier!"Als ich näher zusah, handelte es sich um den Abdruck jenes Artikels desLondoner Protokolls von 1831, der die Unabhängigkeit und Neutralitätvon Belgien stabilierte. Das Abkommen war unterzeichnet von dendamaligen Vertretern der Großmächte in London , deren Unterschriftenund Wappensiegel folgten. Für Rußland hatte, wenn ich mich nicht irre,Pozzo di Borgo, für Frankreich Talleyrand, für Österreich Apponyi, fürGroßbritannien Palmerston und für Preußen mein Großonkel, HeinrichBülow , unterzeichnet. Die belgische Propaganda bediente sich aber auchdrastischer, auf die Psyche eines in seinen unteren Schichten naiven Volksberechneter Mittel. So wurden kleine Statuetten der Madonna verteilt, vorder ein Kind mit abgehackten Händen kniet.Heilige Mutter Gottes, laßmir die Hände wieder wachsen, die mir die barbarischen und grausamenDeutschen abgeschnitten haben." Natürlich hat nie ein deutscher Soldatein belgisches oder französisches Kind verstümmelt. Ich glaube, daß nieein Heer strammere Manneszucht hielt, nie ein Heer im innersten Kernhumaner und edler war als unser Heer im Weltkriege. Ich hatte am23. November 1900 gegenüber Angriffen, die von deutschen Sozial-demokraten gegen das Verhalten der deutschen Soldaten in China imReichstag erhoben wurden, zu Herrn Bebel gewandt erklärt:Ich stellefest, daß bei aller Energie der Kriegführung der deutsche Soldat sich auchan Manneszucht und an Menschlichkeit von keinem anderen Soldaten derWelt übertreffen läßt. Dafür bürgt der Charakter des deutschen Soldaten,dafür birgt der Genius des deutschen Volkes, das in seiner tausendjährigenGeschichte noch immer gewußt hat, Humanität mit Heroismus zu ver-binden*." Diese Worte gelten für das deutsche Heer in Belgien und in

* Fürst Bülows Reden, Große Ausgabe I, 154; Kleine Ausgabe I, 174.