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.EINIGES"
aller Gegenströmungen, Hindernisse und Rückschläge sitzt das HausSavoyen noch immer auf dem Thron, während die Bourbonen und Habs-burger, die sich der italienischen Nationalidee widersetzten, aus Neapel und Florenz, aus Parma und Modena verjagt wurden. So Graf Morra.
Es gab übrigens bis zu dem Augenblick der Kriegserklärung, wie ichausdrücklich hervorheben möchte, nicht nur in der römischen Gesellschaft,sondern auch im ganzen Lande viele gute Patrioten, die für die Aufrecht-crhaltung der Neutralität plädierten. Die kriegerisch gesinnten Elementemachten den größeren Lärm, aber die Anhänger der Neutralitätspolitikwaren im Grunde in der Majorität. Noch Mitte Mai 1915 erzählte mir einbefreundeter Abgeordneter, der Minister des Innern habe ihm gesagt, daßbei einer Volksabstimmung die Mehrheit gegen den Krieg votieren würde.Giolitti Der mächtigste Politiker in Italien war seit Jahren Giovanni Giolitti .Er hatte, wie alle unsere Freunde im Ausland, unsere Ultimatumspolitiküberaus ungeschickt gefunden. Auch Giolitti wünschte und forderte nachdem Ausbruch des Weltkrieges den Trentino und Garantien für eine bessereBehandlung der Italiener in Österreich . Er hatte in einem an seinen Freund,den Abgeordneten Peano , gerichteten Brief für die italienischen For-derungen die berühmt gewordene Formel vom „Parecchio" (Einiges) ge-prägt. Aber er glaubte, daß sich diese Forderungen auch ohne voraus-sichtlich schwere Opfer an Blut und Gut und ein immerhin gewaltigesRisiko verwirklichen lassen würden. Auch er war von Anfang an derAnsicht, daß der Krieg nur zu vermeiden sei, wenn Österreich die nötigenKonzessionen ohne Hintergedanken, in guter Form und rasch mache. Jelänger Österreich zögerte, je schwankender, schwächlicher und undurch-sichtiger unsere Politik war, um so näher rückte die Gefahr des Krieges.
Mit Weisheit und Güte, mit Klugheit und Festigkeit wirkte PapstPapst Benedikt XV. , ohne die Grenzen seines geistlichen Amtes irgendwie zuBenedikt XV. überschreiten, für den Frieden, als ein wahrer Vertreter des ewigenFriedensfürsten. Ich werde es mir immer zur Ehre anrechnen, daßBenedikt XV. meine Friedensbemühungen warm unterstützte. Er wünschtedie Erhaltung des habsburgischen Reiches, der letzten katholischenGroßmacht. Er sah aber vollkommen ein, daß sich der Krieg nur vermeidenließe, wenn Österreich nicht länger zögere, mindestens den Trentino zuopfern. Der Papst, der Italien hebte, wünschte die Erfüllung der italienischennationalen Aspirationen bis zu der Grenze, die mit dem Fortbestand deshabsburgischen Reiches verträglich war. Er betrachtete es vor allem alsseine Pflicht, dem entsetzlichen Blutvergießen des Weltkrieges möglichstbald ein Ende zu setzen und jedenfalls zu verhindern, daß der Weltbrandnoch weiter um sich griff. Er beauftragte den Erzbischof von Wien , denKardinal Piffl, in diesem Sinne mit dem alten Kaiser Franz Josef zu