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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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IN DER ELBPARK VILLA

zu dürfen, welche Sie die große Güte hatten mir zur Kenntnisnahme an-zuvertrauen. Ich fand den Inhalt ebenso interessant wie bezeichnend fürdie Gemütsverfassung unserer Berliner Geschäftsführer." Ich hatte schonfrüher Zustimmung bei Ballin gefunden, als ich meine Eindrücke überunsere Lage in die Worte zusammenfaßte:Haltung und Geist der Be-völkerung Ia politische Führung Vb."

In Hamburg eingetroffen, wurde ich von dem Regierenden Bürger-meister Herrn von Melle freundlicherweise zu einem Essen eingeladen, zu demer eine größere Anzahl Senatoren und Mitglieder der Bürgerschaft gebetenhatte und bei dem er mir in zu Herzen gehender Rede im Namen der StadtHamburg für meine Tätigkeit in Rom dankte. Nicht lange nachher bezognfcnthalt ich die Elbparkvilla, wo mir ein schöner Empfang bereitet wurde. AusFlottbek der ganzen Elbgegend hatte sich eine große Menschenmenge eingefunden.Meiner Frau wurden Blumensträuße überreicht. Die Frauen der Flottbeker Kriegerhilfe und eine zahlreiche Kinderschar erfreuten uns mit Gesängen.Der Landrat des Kreises Pinneberg hielt eine Ansprache. In meiner Ant-wort gab ich der Freude Ausdruck, wieder dorthin zurückzukehren, wo ichdas Licht der Welt erblickt hätte, wo ich einen großen Teil meiner Jugendverlebt hätte, wo ich jeden Baum und jeden Stein kenne. Wie oft wäre ichauf der Straße, die an der Elbparkvilla vorbeiführe und die mein ver-storbener Freund, der Dichter Detlev von Liliencron , mit Recht die schönsteStraße der Welt genannt hätte, am Sonntagmorgen mit meinen seligenEltern zur Kirche gegangen, elbaufwärts nach Ottensen , oder elbabwärtsnach Nienstedten . Als guter Preuße, der ich sei und bis an mein Lebens-ende bleiben werde, freute ich mich, in Flottbek auf preußischem Bodenzu stehen. Ich freute mich aber auch der Nähe Hamburgs . In einer Stundetrüge das Schiff mich nach dem Hamburger Hafen , und ich sähe dasBismarckdenkmal vor mir, das gewaltige Standbild, das dem gewal-tigsten Sohn des deutschen Volkes errichtet worden wäre, ich erblicktedie hochragenden, spitzen Türme der Stadt, an die mich soviel Erinnerungenknüpften, verwandtschaftliche Beziehungen und warme Sympathien, womir treue Freunde lebten, wo ich immer gern weilte, wo sich auch meineFrau wohlfühle, die das Land der Eichen und Buchen geradeso liebte wieich. Ich dankte den um mich Versammelten, ganz besonders den Kindern,deren Väter im Felde stünden. Mit tiefer Bewegung hätte ich an der Flott-beker Bahnstation die Namen derjenigen Flottbeker gelesen, die in diesemKriege gefallen wären und mit ihrem Blut die holsteinische Treue für Königund Vaterland, für Kaiser und Reich bezeugt hätten. Ich schloß mit einemHoch auf Seine Majestät den Kaiser und König.

Die Leistungen der Armee während des Sommers 1915 erfüllten michmit immer neuer Bewunderung. Auf dem westlichen Kriegsschauplatz