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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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250000 POLNISCHE FREIWILLIGE

ausgebildeten polnischen Truppen als Folge der Schaffung des Königreichsfünf Divisionen bei freiwilligem Eintritt, eine Million bei allgemeinerWehrpflicht. Dieser Zuwachs konnte uns für 1917 nur erwünscht sein, undhaben wir daher lediglich auf diese Neuformationen wiederholt hingewiesenund gedrückt. Wie sehr Beseler geirrt hatte, beweist die Tatsache, daß indiesem Sommer erst dreitausend Polen in der polnischen Legion standen,die übrigen neuntausend waren von Österreich eingeschmuggelte Galizier,die nur hinter der Front verwandt werden konnten. Für diese Gesellschafthabe ich natürlich gedankt. Das ist meine und Ludendorffs wahre undeinzige Beziehung zum Königreich Polen. Die Oberste Heeresleitung wurdeimmer vorgeschoben, wenn man fühlte, eine Dummheit begangen zu haben.Und forderten wir dann Richtigstellung durch die Presse, dann hieß es:Die 0. H. L. dürfe nicht der öffentlichen Kritik preisgegeben werden."

Im Januar 1918 erklärte in einer öffentlichen Versammlung in Hannover der Oberbürgermeister dieser Stadt, der Stadtdirektor Tramm, mit aus-drücklicher Ermächtigung des Generalfeldmarschalls, die Behauptung, daßdie Gründung des neuen polnischen Staats auf Wunsch der OberstenHeeresleitung und mit deren vollem Einverständnis erfolgt sei, fürabsolutunwahr". Herr Tramm führte weiter aus:Der politische Vertrag überPolen ist zwischen den Reichsleitungen Deutschlands und Österreich-Ungarns beschlossen worden, mehrere Wochen bevor Hindenburg undLudendorff an die Spitze der deutschen Heeresleitung berufen wurden. Siehaben nichts davon gewußt. Das einzige, was sie getan haben, ist folgendes:In dem Vertrag war vorgesehen, daß die polnische Nation unserer Armeezweihundertfünfzigtausend Freiwillige zuführen würde, und als sie ansRuder kamen, sagten sie: ,Wenn das richtig ist, dann können wir sie jetztgut gebrauchen.' Man stand vor der rumänischen Kriegserklärung, und dieBrussilowsche Offensive war im Gange. Da sagten die Heerführer: ,Habt ihrsoviel Truppen zur Verfügung, dann schafft sie uns auch heran.' Ich weißnicht, ob Sie alle das traurige Resultat wissen. Ich kenne die Zahl auch nichtgenau, aber ich glaube, es sind noch keine zehntausend Freiwillige ein-gestellt. Also an dieser Gründung des polnischen Staats war die ObersteHeeresleitung durchaus unbeteiligt." Mit Recht fügte der StadtdirektorTramm hinzu: Es könne gar nicht genug nach außen verbreitet werden,daß die Oberste Heeresleitung an der Gründung des polnischen Staatsdurchaus unbeteiligt sei. Mit der Ausstreuung der gegenteiligen Be-hauptung werde versucht, an Stelle der Männer, die den Fehler begangenhätten, einen ganz schweren Fehler, die populärsten Männer und Heldenunseres Volkes in minderem Lichte erscheinen zu lassen. Nicht scharf genugkönne man sich gegen solche Vorstellungen wenden, damit das Bild unsererbeiden Heerführer uns klar und rein erhalten bleibe.

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