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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
Entstehung
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FRIEDRICH AUGUST GROSSHERZOG FRIEDRICH

ich Ihnen von Herzen eine lange Reihe schöner Lebensjahre wünsche, ver-bleibe ich in aufrichtiger Hochachtung Ihr dankbar ergebener Wilhelm."

Aus Dresden telegraphierte mir König Friedrich August :EurerDurchlaucht spreche ich mein aufrichtiges Bedauern aus, daß widrigepolitische Verhältnisse Ihren Rücktritt notwendig machten. Ich dankeEurer Durchlaucht für alles, was Sie in besonderer Weise für mein Landgetan haben. Ich weiß mich eins mit meiner Regierung in der Hochachtungund Liebe für den scheidenden Reichskanzler und in der Ansicht, daßEurer Durchlaucht Entwurf zur Finanzreform doch der beste und für dasReich wie für die Einzelstaaten ersprießlichste Vorschlag war." Dersächsische Finanzminister Rüger, ein Staatsmann und gleichzeitig ein her-vorragender Fachmann, hatte mir schon während der Krisis, die meinemRücktritt voranging, geschrieben:Ich bitte, im Namen der sächsischenRegierung das dringende Ersuchen an Eure Durchlaucht richten zu dürfen,trotz der unendlichen Widerwärtigkeiten der letzten Monate auf demschweren Posten des Reichskanzlers auszuharren. Andernfalls würden dieKonservativen und das Zentrum nicht mit Unrecht sich den Erfolg zu-schreiben, den Kanzlerwechsel herbeigerufen zu haben, und würden in demGedanken bestärkt werden, daß konsequentes Festhalten an ihren Ab-sichten und Plänen ihnen trotz alles Widerstands des Bundesrats zumSiege verhelfen müßte."

Großherzog Friedrich von Baden telegraphierte mir aus Stockholm ,wo er zum Besuch seiner Schwester, der Königin Viktoria von Schweden,weilte:Erfahre mit aufrichtigem Bedauern die Genehmigung Ihres Ab-schiedsgesuchs. Ich gedenke bei Ihrem Scheiden mit warmer Dankbarkeitder hervorragenden Dienste, die Sie unserem Vaterlande geleistet haben,und begleite Ihr ferneres Wohlergehen mit aufrichtigsten Wünschen." Amt-lich berichtete der langjährige Gesandte in Karlsruhe , von Eisendecher:Von allen Seiten höre ich Stimmen schmerzlichen Bedauerns, daß EureDurchlaucht gezwungen und entschlossen sind, das hohe Amt des erstenBeamten im Reich einem Nachfolger zu überlassen. Die Empörung über denUndank und die verblendete Selbstsucht gerade derjenigen Parteien, dieEurer Durchlaucht nur Dank schulden und solchen Entschluß in ersterLinie veranlaßt haben, ist allgemein. Ihre Schuld wird sich in der Folgenoch bitter rächen. Immer mehr gewinnt man hier die Überzeugung, daßEure Durchlaucht dem Reiche ganz hervorragende Dienste geleistet haben,daß Eurer Durchlaucht aufrichtigster Dank gebührt und es schwer haltenwird, geeigneten Ersatz zu finden. Alle verständigen Leute sehen mit Be-sorgnis in die Zukunft, in gewiß nicht unberechtigtem Zweifel, ob der neueKanzler mögliche Schwierigkeiten und Konflikte in derselben vornehm-ruhigen, erfolgreichen Weise zu lösen imstande sein werde, wie das Eurer