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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
Entstehung
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PRINZ MAX VON BADEN

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Durchlaucht nicht selten gelungen ist. Dabei ahnen sicher die wenigsten,welche Widerstände außerhalb des Bereichs der Öffentlichkeit oft zuüberwinden waren und was an politischer Schädigung durch Eurer Durch-laucht Einsicht im stillen verhindert werden konnte. Die Finanzweisheitder Reichstagsmehrheit wird hier im ganzen sehr gering bewertet. Man hältdie neuen Steuerprojekte für zu kompliziert, zu kostspielig in der Ver-waltung und nachteilig für die wirtschaftliche Entwicklung. Allgemeinbeginnt die urteilsfähige Bevölkerung einzusehen, daß die ursprünglichenVorlagen der Regierung als gerechter, bilbger und weniger schädlich beiweitem den Vorzug verdient hätten. Ihre Königbche Hoheit die Groß-herzogin Luise und Staatsminister von Dusch beklagten mir gegenüberbesonders lebhaft Eurer Durchlaucht bevorstehendes Scheiden aus demAmte. Auch Seine Königliche Hoheit der Großherzog, mit welchem ich nochnicht sprach, hat sich, wie ich höre, in gleichem Sinne geäußert, und diegesamte großherzogliche Regierung hegt ohne Zweifel dasselbe Gefühl auf-richtigsten Bedauerns." In einem an mich gerichteten Privatbrief schriebmir Herr von Eisendecher eine Woche später:Eure Durchlaucht wollenglauben, daß ich Ihr Scheiden aus dem hohen verantwortlichen Amt imInteresse des Kaisers und des Reichs auf das tiefste beklage. Möchten EurerDurchlaucht hervorragende Verdienste um Kaiser und Reich immer mehrallseitig erkannt werden. Das Wörtchen allseitig, in dem die Silbeab"zweimal unterstrichen war, zielte natürlich auf Seine Majestät den KaiserWilhelm II.

Prinz Max von Baden schrieb mir aus seinem Schloß Salem am Boden-see :Mein lieber Fürst, die langjährigen, mich hoch beglückenden Be-ziehungen, welche mich mit Eurer Durchlaucht und der Frau Fürstin ver-binden, berechtigen mich gewiß dazu, meinem Schmerz Ausdruck zu ver-leihen über das Scheiden Eurer Durchlaucht. Es will mir so wenig in denSinn, daß Sie Ihren hohen Posten verlassen, daß ich mir die betrübendeTatsache wieder vergegenwärtigen muß. Doch je mehr ich es tue, um soweniger GefaUen finde ich daran. Meine treuesten Wünsche begleiten Sieauf Ihrem ferneren Lebensweg, in Ihrem unvergleichKchen Heim, der VillaMalta , hinter sich den Kampf und die Macht, vor sich die Schönheit unddie Ruhe, der Ihr Geist Bedeutung und Reichtum geben wird. In alter An-hänglichkeit bleibe ich stets Eurer Durchlaucht ergebener Prinz Maxvon Baden ." Die Mutter des Prinzen Max, eine geborene Prinzeß Leuch-tenberg-Romanowsky, eine Enkelin des Zaren Nikolaus L, telegra-phierte mir:, Prie accepter l'expression de tous mes regrets sinceres de vousvoir quitter votre position et l'assurance que ma vive Sympathie vousentourait tous ces derniers temps. J'espere que les chemins de nos vies secroiseront encore. Mes compbments sinceres ä la Princesse."

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