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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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EIN BRIEF BRAUERS

sein Abgang unter anderen Verhältnissen stattgefunden hätte. So ist seinRückblick auf seine glänzende Laufbahn durch manche schwere Wolke ver-düstert und verbittert, und das ist schade für ihn, der dem Vaterlande so-viel Zeit und Kraft geopfert hat. Das aber ist das Los von vielen Staats-männern gewesen. Wir brauchen ja nicht weit zurückzublicken, und damitwird sich der Fürst Bülow trösten." Der leitende Minister in Braunschweig ,Exzellenz Otto, schrieb meinem mit ihm seit lange befreundeten BruderAlfred:Schmerzlich hat mich das Scheiden Ihres Herrn Bruders aus demAmt des Reichskanzlers berührt. Ich beklage es um Deutschlands willentief, daß die Verhältnisse dem Reich diesen schweren Verlust bringenmußten." Graf Max Berchem, unter Bismarck Unterstaatssekretär desAuswärtigen Amts, schrieb mir:Als einstiger Soldat der großen Armeeblicke ich mit Stolz auf die Führung, welche uns in Fortsetzung des altenKommandos die schönen Strecken Delcasse und Iswolski neben anderenErfolgen lieferte. Mit dem Ausdruck tiefen Bedauerns über HochderenRücktritt verbinde ich jedoch die Hoffnung, daß Sie, verehrtester Fürst,mit den Geschicken des Vaterlandes in Fühlung bleiben werden."

Arthur von Brauer war einer der besten Köpfe, über die das Muster-Arthur ländle Baden zu verfügen hatte. Erst im Konsulardienst, dann Vor- Brauer tragender Rat im Auswärtigen Amt , wurde er 1890 als Nachfolger des Frei-herrn von Marschall badischer Gesandter in Berlin , 1893 badischer Ministerdes Großherzoglichen Hauses und des Äußern, 1901 badischer Minister-präsident. Wir waren uns schon in jungen Jahren, im Winter 1875/76 inSt. Petersburg , nähergetreten, wo er als deutscher Konsul, ich als DritterBotschaftssekretär fungierte. Zu meinem Rücktritt schrieb er mir:Nach-dem Ihre Enthebung vom aktiven Dienst nunmehr amtlich bekannt-gemacht ist, will ich nicht länger zögern, Ihnen mein tiefstes Bedauern aus-zusprechen, daß wir fortan Ihrer erfolgreichen Führung entbehren sollen.Ihrer großen Geschicklichkeit war es in diesem Winter und Frühjahr so oftgelungen, Konservative und Liberale wieder zusammenzuführen, daß ichder festen Zuversicht war, Sie würden das schwere Werk einer ver-ständigen Finanzreform zustande bringen. Ich traute den Konservativen,ich will nicht sagen mehr politische Einsicht zu, denn auf,Einsicht' darfman ja in Deutschland bei keiner politischen Partei rechnen, aber ichtraute ihnen soviel patriotischen Sinn zu, daß sie uns nicht wegen einerunbequemen Steuer in diese Lage bringen würden. Indessen die einmütigeAnerkennung, die Ihrem Wirken von allen Seiten zuteil wird, muß Ihnenzeigen, daß Deutschland weiß, was es an Ihnen verliert. Sie können mitdem Bewußtsein scheiden, Deutschland in der inneren und äußeren Politikauf eine Höhe geführt zu haben, die wir seit Bismarcks Entlassung nichtmehr kannten. Das sage ich Ihnen als alter Freund und Bewunderer."