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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
Entstehung
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CRAILSHEIM

KARL WEDEL

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Graf Crailsheim , während vieler Jahre, von 1880 bis 1903, erst bay-rischer Minister des Äußern, dann Ministerpräsident, ein Staatsmann, der Grafsich schon des Vertrauens und der Wertschätzung des Fürsten Bismarck Crailsheimerfreut hatte und dessen reichstreue Gesinnung über jedem Zweifel stand,schrieb mir:Die Nachricht von dem bevorstehenden Rücktritt EurerDurchlaucht hat mich mit schmerzlichem Bedauern erfüllt. Wenn mir auchseit sechs Jahren die Freude persönlichen Zusammenwirkens mit EurerDurchlaucht versagt ist, so habe ich doch die innere und äußere Politik desDeutschen Reiches stets mit Aufmerksamkeit verfolgt und die Erfolge, dieEuer Durchlaucht auf beiden Gebieten erzielten, mit hoher Genugtuungbegrüßt. Nach dem Rücktritt des auf eine so glänzende Wirksamkeit zu-rückbückenden Staatsmannes sehe ich als deutscher Patriot mit Bangen indie Zukunft. Zu spät werden viele derer, die die jetzige Lage mitverursachthaben, erkennen, was sie, was das Deutsche Reich an Eurer Durchlauchtverloren hat. So traurig mich der Entschluß Eurer Durchlaucht stimmt, sokann ich doch Hochdenselben nur beglückwünschen zu dem glänzenden,wie ich hoffe nur vorläufigen Abgang. Alle wahren Vaterlandsfreunde sehenEuer Durchlaucht mit tiefem Schmerz aus dem Amte scheiden."

Aus Stora Sundby in Södermanland , dem schwedischen Schloß seinerFrau, schrieb mir Graf Karl Wedel, der nacheinander und mit Auszeich- Grafnung Militärbevollmächtigter in Wien, Gesandter in Stockholm , dann Karl WedelGeneraladjutant des Kaisers, General der Kavallerie und Gouverneur vonBerlin, von 1899 bis 1902 Botschafter in Rom , von 1902 bis 1907 Bot-schafter in Wien und seit 1907 Statthalter von Elsaß-Lothringen war:Lieber Bülow, erst jetzt eben erhalte ich in der hiesigen Weltabgeschieden-heit die definitive Nachricht von dem vorgestern vollzogenen Wechsel, dermir keine Überraschung bereitete. Daß ich es für Kaiser und Reichschmerzbeh bedauere, auch persönlich tief empfinde, wissen Sie. Wahrhaftaufrichtig freut es mich, daß, soweit ich bis jetzt übersehe, die Presse allerParteirichtungen Ihrem Wirken rückhaltlose Anerkennung zollt und IhreVerdienste in warmen Worten würdigt. In diesem Dank der öffentlichenMeinung des Vaterlandes werden Sie die Genugtuung finden, die Ihnen inso vollem Maße gebührt. Mir aber ist es Bedürfnis, Ihnen heute, wo Sie indas Privatleben treten, meinen herzlichsten Dank für die Freundschaft unddas Vertrauen auszusprechen, die Sie mir als Vorgesetzter und Mensch er-wiesen, und für die Stellungen, die ich Ihren Empfehlungen und IhremWohlwollen verdanke. Erhalten Sie mir auch, bitte, ferner Ihre kostbarefreundschaftliche Gesinnung und seien Sie meiner dauernden aufrichtigenAnhänglichkeit versichert. Der Fürstin küsse ich die Hand."

Der Oberstkämmerer Fürst von Solms-Baruth schrieb mir:Hoch- Fürst Solmsverehrtester, teuerster Fürst, nachdem die schwerwiegende Entscheidung B aTUt h