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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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SCHORLEMER

HERMANN STOLBERG

gefallen ist, die erste Hochflut ungezählter Sympathieempfindungen vor-über, kann ich es mir nicht länger versagen, Ihnen mit wenigen Wortenauszusprechen, wie schmerzlich ich diese Wendung der Dinge empfindeund beklage! Konnte ich es doch vielleicht mit am vorurteilslosestenbeurteilen, welche Verdienste Sie sich um die Krone, um unsere äußerenund unsere Gesamtverhältnisse erworben haben! Ein Trost bleibt aberIhnen, sowohl Ihnen wie mir und Millionen treuer Patrioten, das ist dieArt Ihres Scheidens, die das Bewußtsein in sich schließt, daß der Königund wir alle in ernsten Zeiten mit dem in voller Frische unter uns weilendenbest bewährten deutschen Manne noch rechnen dürfen. Über die Kurz-sichtigkeit gewisser Leute sich hier zu verbreiten, erübrigt sich. Und da dieDummen nie alle werden, müssen sie und leider noch viele, die wenigerdumm sind, am eigenen Leibe erst das erfahren, was sie nicht begreifenkönnen oder wollen. Ihr für alle Zeit treu ergebener Fürst Solms-Baruth."Aus seinem Schloß Lieser an der Mosel schrieb mir Freiherr ClemensFreiherr von Schorlemer, damals Oberpräsident der Rheinprovinz , ein Jahr

Schorlemer später preußischer Minister der Landwirtschaft:Euer Durchlaucht habennach bewegten Tagen wohlbehalten Norderney erreicht! Ich bitte, die sowohltätige und erquickende Ruhe nach dem Sturme für einen Augenblickstören zu dürfen, um auch meinerseits das aufrichtige und tiefempfundeneBedauern darüber zum Ausdruck zu bringen, daß die Stellungnahme desReichstags zur Reichsfinanzreform Euer Durchlaucht das längere Ver-bleiben im Amte des Reichskanzlers unmöglich gemacht hat. Diesen Aus-gang der Krisis beklagen auch in der Rheinprovinz nicht nur die zahl-reichen Anhänger und Verehrer Eurer Durchlaucht, sondern ebenso mitverschwindenden Ausnahmen die politischen Gegner, dankbar gedenkendan das, was Euer Durchlaucht an leitender Stelle für die Erhaltung desFriedens und der Machtstellung Deutschlands , für die Förderung vonIndustrie und Landwirtschaft in langjähriger erfolgreicher Tätigkeit ge-schaffen haben. Daß ich persönlich mit besonders schmerzlichem Emp-finden Euer Durchlaucht aus dem Amte scheiden sehe, bedarf wohl nichtder ausdrücklichen Versicherung! Das wohlwollende Entgegenkommen unddie verständnisvolle Zustimmung, welche ich in meiner dienstlichen Tätig-keit und für meine Anschauungen in politischen und kirchenpolitischenFragen bei Eurer Durchlaucht stets gefunden habe, werden immerdar fürmich der Gegenstand unvergeßlicher, dankbarster Erinnerung bleiben." " jAus der Provinz Posen, wo er tapfer und besonnen für das Deutschtum

nz Stolberg wirkte, schrieb mir Prinz Hermann Stolberg, ein Sohn des dreizehn Jahrefrüher heimgegangenen Fürsten Otto zu Stolberg-Wernigerode , der mireinst in Wien ein so wohlwollender Chef gewesen war:Das Vaterland wirdIhnen nie vergessen, was Sie für dasselbe getan haben. Ich schreibe Ihnen