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3 (1931) Weltkrieg und Zusammenbruch
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EIN UNBEKANNTER

werde. Diese große, nun sehr geschwächte Hoffnung war an die AutoritätIhres Namens geknüpft. Persönlich hatte ich auch die Uberzeugung undfreute mich darob, daß Ihre so vornehme Bildung, in den Dienst desStaatswesens gestellt, den Wert eines nationalen Gutes besitze. Mit denvielen und gewichtigen Stimmen, die Ihr Scheiden beklagen, glaube ichauch meine Stimme vereinigen zu dürfen, und ich bin mit der größten Hoch-achtung und Ehrerbietung Ihr ergebenster Curti." DieFrankfurterZeitung " hatte mich und namentlich meine wirtschaftliche Politik währendmeiner Amtszeit oft und bisweilen scharf bekämpft. Ihr damaliger Chef-redakteur war von Geburt Schweizer. Vielleicht ist es darauf zurückzu-führen, daß er mich und meine Wirksamkeit vorurteilsloser würdigte, alsdies bei uns unter politischen Gegnern des Landes der Brauch ist.

Ich habe schon früher einen vieljährigen Schweizer Freund erwähnt,der in Paris lebte, aber auch dort an seinen pazifistischen Idealen fest-gehalten hatte. Er hatte mancherlei politische Verbindungen und nicht nurin Frankreich. Er schrieb mir schon am 1. Juli 1909:Uber alles das, wasin Berlin vorgeht, bin ich um so mehr traurig, weil ich die geheimen Fädenkenne, welche hinter den Kulissen gesponnen sind, weil ich den länger schongefaßten Entschluß eines mächtigen Faktors kenne, der dermalen nochfast allmächtig in Deutschland ist. Den Fürsten von Bülow kann niemandmit Nutzen für den Staat ersetzen, besonders in einer Epoche, in der großeEntscheidungen für die Zukunft der Welt sich vorbereiten. Dii minorumgentium sind in Deutschland viel auf dem Plan, aber kein Politiker, der demFürsten Bülow gewachsen ist. Das sollte man an gewisser Stelle erkennen,erschauen." Mit dem in Deutschland fast noch allmächtigen Faktor istnatürlich Wilhelm II. gemeint.

Von mir unbekannter Seite erhielt ich am Tage meiner Abreise ausBerlin die nachstehenden Verse:

Fürst Bülow .

Er scheidet aus dem Amt, des er gewaltet

Mit kluger Kraft und einer feinen Kunst.

Was er geschaut, gewollt hat und gestaltet,

Hoch ragt es über Launenspiel und Gunst.

Ein ganzer Mensch! Sein Name wird nicht schwinden

Vom Meilenstein der ruhelosen Zeit.

Er, dem selbstmörderisch die blöden Blinden

Den Lorbeer flochten der Undankbarkeit.

Ein Mann des Glücks für seiner Heimat Ehre,

Des Glücks für seines eignen Wesens Art,

So geht er fort in Waffenschmuck und Wehre,

Die Sonne leuchtet seiner Lebensfahrt.