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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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KÖNIGGRÄTZ

aber schuldeten wir der Vorsehung Dank, die über das Werk des frommenAugust Hermann Francke die schützende Hand gehalten hatte. Das Wahr-zeichen der Stiftung, der zur Sonne steigende Adler mit dem tröstenden undaufrichtenden Spruch des größten Propheten des Alten Bundes (Je-saias 40, 31), hatte sich wieder einmal bewährt.

Einen dauernden Eindruck machten mir die österreichischen Gefan-genen, die in der Moritzburg untergebracht waren. Die Moritzburg , imNorden der Stadt gelegen, war eine alte Feste, die einst die Residenz derErzbischöfe von Magdeburg gewesen war, später, im Dreißigjährigen Krieg,durch Brand zerstört und seitdem zu militärischen Zwecken benutzt wurde.Die in der Moritzburg eingesperrten Ungarn, Kroaten, Italiener, Tschechen und Slowaken begrüßten alle Vorübergehenden mit:Eljen!"Zivio!"Ewiva I" usw., um ein paar Groschen zu erbetteln, wofür sie sich wiederumdurch Hochrufe auf Preußen und Schimpfen auf Österreich in allen Sprachenerkenntlich erwiesen. Die Brüchigkeit der habsburgischen Monarchie wurdemir zum erstenmal klar.

Königgrätz (Dem König gerät's! wie man in Preußen im Sommer 1866Bismarck sagte) war wohl der größte und glücklichste Tag im Leben des Fürsten Bis-beendet marck. Dieser Sieg war der Lohn unermeßlicher Mühen, schwerer Gefahren,% Konflikt emes n eroischen Mutes. Königgrätz enthüllte auch für das blödeste Augedas Genie des Staatsmanns, der den Verfassungskonflikt zugunsten derKrone beendigt hatte. DerKladderadatsch" vom 12. August 1866 brachteein Bild, das einen Käfig darstellt, an dem eine Tafel hängt. Sie trägt dieInschrift:Conflictus internus, vier Jahre alt." Das Raubtier im Käfigsteckt mit seiner Tatze einen Zettel heraus, auf dem steht:Indemnität."Vor dem Käfig Graf Bismarck . Er hält dem Tier einen riesigen Lorbeer-kranz entgegen, auf dessen Blättern steht:Königgrätz, Gitschin, Skalitz ,Nachod, Aschaffenburg ." Das Bild desKladderadatsch" trug die einfacheÜberschrift:Bilder ohne viele Worte."

Gleichzeitig mit dem inneren Verfassungskonflikt hatte Bismarck denhundertjährigen preußisch-österreichischen Streit um die Vorherrschaft inDeutschland zugunsten des Hauses Hohenzollern siegreich durchgefochten,und in der Ferne winkte die Einigung des deutschen Volkes durch dieHohenzollern und die Kaiserkrone auf dem Haupte eines Hohenzollern .Aber auch hier war es gut, daß die Gottheit die Zukunft selbst dem schärf-sten Auge nicht ganz enthüllt. Wer dem Ministerpräsidenten Graf Bismarck am Abend des 3. Juli 1866 vorausgesagt hätte, daß der Enkel und Nach-folger des alten Königs Wilhelm I. von Preußen, der dank der genialenPoütik seines Ministers Otto von Bismarck im Kampfe um die Hegemoniein Deutschland Sieger geblieben war, daß Wilhelm II. an den bei König-grätz besiegten Kaiser Franz Josef von Österreich sechsundzwanzig Jahre