„LEHMOP!"
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ich lernte, den Gaul fest zwischen die Beine zu nehmen und lose am Zügel.Trab, Galopp und Marsch-Marsch, alles wurde geübt. Man sang:
Die Unteroffiziere an die Flügel,Fester Sitz und lose Zügel!Die Offiziere vor die Schwadron,Seht, jetzt geht's im Trabe schon!
Zum Schluß ging es durch den Sprunggarten, über Mauer, Block undGraben. Wenn ein Einjähriger herunterfiel, mußte er eine Bowle zahlen.Alles rief: „Eine Bowle fällig!" Auf dem Rückmarsch begrüßten uns diepatriotischen Bonner Bürger mit: „Lehmop!", dem alten Schlachtruf derKönigshusaren, auf die ganz Bonn stolz war. Woher stammte der Ruf„Lehmop!", der schon 1866 als Kriegsruf der „Blauen Bonner" in der Elb-armee berühmt geworden war? Wenn in Friedenszeiten das Königshusaren-Regiment mit lautem Sang und frohem Mut nach dem „Sand" ritt, kamdie Schwadron an zahlreichen Ziegeleien vorbei, die der Stadt Bonn ihrBaumaterial lieferten. Die Arbeiter pflegten ihren Gehilfen unten in derGrube „Lehm op!" zuzurufen, wenn diese neuen Lehm herauf befördernsollten. Die Husaren hatten den sonoren Ruf aufgenommen und stimmtenein kräftiges „Lehmop!" an, sobald sie an den Ziegeleien vorüberritten.Aus dem Marsch zum Exerzierplatz wurde anno Sechsundsechzig ein Rittgegen den Feind und aus dem lustigen Morgenruf ein Feldgeschrei. 1870wurde das Regiment zuerst von seinen speziellen Waffenbrüdern, seiner„Couleur", den 8. Jägern, mit „Lehmop!" begrüßt, dann von allen Regi-mentern des rheinischen Armeekorps, und nach dem Kriege kannte dieganze Armee den Ruf.
Das Königshusaren-Regiment (1. Rheinisches Nr. 7), eines der schönstenRegimenter unserer alten herrlichen Armee, war 1813 von dem Grafen Karl Regiments-Lazarus Henckel als „Schlesisches National-Husaren-Regiment" errichtet gcuhichteworden. Graf Henckel, freier Standesherr auf Beuthen und Besitzer des Neu-decker Fideikommisses, hatte sich schon in der Rheinkampagne, 1792, denOrden pour le merite, im Befreiungskrieg das Eiserne Kreuz 1. Klasse er-worben. Bei Saalfeld, 1806, war er an der Seite des Prinzen Louis Ferdinand schwer verwundet worden. Er ist erst 1864, zweiundneunzig Jahre alt, ge-storben. Er war der Vater des durch seinen immensen Reichtum, seineFreundschaft mit Bismarck und mit Waldersee wie durch seine großenindustriellen und finanziellen Unternehmungen bekannten Fürsten Guidovon Henckel-Donnersmarck , der, sechsundachtzig Jahre alt, 1916 währenddes Weltkrieges starb. Aus dem Schlesischen National-Husaren-Regiment,das in der Schlacht von Dresden , bei Brienne und Montmirail, bei Cbäteau-Thierry und Laon und in der Schlacht von Paris siegreich gefochten hatte,