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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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NACHTS UNTER DER ARNO-BRÜCKE

auszusetzen." Die Depesche schließt mit der Aufforderung an den Fürsten Richard Metternich, dem Kaiser Napoleon noch einmal und sehr energischzuzusetzen, damit er die französischen Truppen endlich und schleunigstaus Rom zurückziehe.Mit einem solchen Akt unzweifelhaft liberalerPolitik würde Frankreich seinen Feinden eine Waffe entreißen und einenDamm gegen jenes Überfluten des Teutonismus aufwerfen, welchenPreußen, eine vor allem protestantische Macht, in Deutschland aufzu-nehmen gewußt hat und welchen wir wegen seiner ansteckenden Kraftdoppelt zu fürchten haben." Beust war Deutscher und Protestant. DerSchluß seiner konfidentiellen Depesche, die vier Jahre später imTemps "veröffentlicht wurde, seine Warnung vor dem Überfluten des Teutonismusund seine Denunziation Preußens als einer vor allem protestantischenMacht zeigen den Grafen Friedrich Ferdinand von Beust in seiner ganzenJämmerlichkeit als zwiefachen Renegaten.

Nach Italien sandte Bismarck nach Ausbruch des Krieges einen seinerI.egaüonsrai nächsten Vertrauten, den damaligen Legationsrat von Holstein, dessenvon Holstein Verschwörernatur für eine solche Mission sehr geeignet war. Holstein hatmir später nicht ohne Genugtuung erzählt, es sei ihm gelungen, sich mitMazzini in Verbindung zu setzen, der sich im August 1870 inkognito undverkleidet in Florenz aufgehalten und ihm eine Unterredung gewährt habe,spät am Abend, unter dem Bogen einer Arno-Brücke. Er, Holstein, habeMazzini unter Hinweis auf Mentana wie auf die programmatische Rede,die Rouher am 5. Dezember 1867 in der Französischen Deputiertenkammergehalten hatte, auseinandergesetzt, daß ein siegreiches Frankreich niemalsden Italienern die Krönung ihrer Einheit durch die Besitzergreifung vonRom erlauben werde. Mazzini verstand und versprach, er werde Mittel undWege finden, um den Minister des Auswärtigen vonUnvorsichtigkeiten"abzuhalten. Herrn Emilio Visconti-Venosta einzuschüchtern, dürfteMazzini um so leichter gewesen sein, als jener in seiner Jugend, bevor erMinister und Marchese wurde, radikalen Anschauungen gehuldigt hatteund sogar Privatsekretär des großen Agitators Giuseppe Mazzini ge-wesen war.