DIE IMPONDERABILIEN
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Offiziere und Mannschaften, vom letzten Trommler bis zu Hindenburg ,Mackensen, Eichhorn, Ludendorff, Below, Woyrsch, Mudra, Marwitz,Scholz, Litzmann, Krafft von Dellmensingen , bis zum KronprinzenRuprecht und dem Prinzen Leopold von Bayern , bis zum Kronprinzenvon Preußen und seinen tapferen Brüdern, für Scheer und Spee, Weddigenund Dohna-Schlodien , für alle Männer im Schützengraben und in denU-Booten, für sie ist kein Lob rühmlich, kein Ehrenkranz schön und reichgenug. Aber während in Rom, Paris und London das Volk vom Staats-oberhaupt bis zum Bauern und Arbeiter zum Denkmal des Miles Ignotuspilgert, dort Kränze niederlegt und Gebete verrichtet, erinnert in Deutsch-land noch kein Nationalmonument an die Millionen deutscher Helden desWeltkrieges. Und wo die Pietät der Regimentsverbände solche in be-scheidener Form errichtete, suchten deutsche Kommunisten ruchlos beiuns auch die schlichteste Erinnerungsfeier zu stören.
Als Gramont am 6. Juli 1870 mit seinem Trompetenstoß im Corpslegislatif die Welt aufscheuchte, stand uns England kühl gegenüber, Diewährend Österreich und Italien mit Frankreich weitgehende diplomatische Großmächteund militärische Abmachungen gegen uns getroffen hatten. Wie kam es,daß uns doch keine Großmacht in den Arm fiel ? Das war das Verdienst derBismarckschen Politik, der genialen Geschicklichkeit, mit der er sofort beimBeginn des Krieges die öffentliche Meinung auf unsere Seite und dieImponderabilien, jene Imponderabilien, die, wie ich wieder und wiederbetonen möchte, der Politiker nicht hoch genug einschätzen kann, mitpsychologischer Meisterschaft in unser Spiel gebracht hatte. Nachdem dieEmser Depesche nicht nur alle Deutschen , bis auf einige unbelehrbareQuerköpfe unter bayrischen, schwäbischen und Frankfurter Partikularisten,sondern auch weite Kreise des Auslandes davon überzeugt hatte, daß Frank-reich mit gallischer, traditioneller Überhebung uns provoziert hatte,nachdem Bismarck klug so operiert hatte, daß die Kriegserklärung vonfranzösischer Seite ausging, wir also die Angegriffenen, nicht dieAngreifer waren, verstand es der große Staatsmann, den französischenKaiser vor aller Welt völkerrechtswidriger Absichten und Anschläge gegendie Selbständigkeit und Neutralität von Belgien zu überführen.
In der alten Zeit sprach man in Deutschland von dem „Musterländle"Baden . Das war für Uberale Weltanschauung insofern zutreffend, als Badenfast gleichzeitig mit Bayern, aber dreißig Jahre vor Preußen , ein konsti-tutioneller Staat geworden war, daß sich dort frühzeitig parlamentarischesLeben entwickelt hatte mit Kammerdebatten, Kammerreden und Kammer-größen, daß in Baden infolge historischer Entwicklung der kleine Grund-besitz überwog, daß es dort keine Junker und keinen Militarismus impreußischen Sinne gab. Die Verwaltung war eine moderne, Bürgertum und