VORMARSCH
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Metz hatte es mit Eifer und Wachsamkeit den Rekognoszierungsdienstbetrieben. Einer der besten Offiziere des Regiments, der PremierleutnantDeginhard von Loe, ein Neffe des Kommandeurs, war bei einer Reko-gnoszierung am Eingang von Longeau gefallen. Eine feindliche Kugel, diedurch die Schläfen ging, hatte ihn auf dem Fleck getötet. Aber das Regimentwar noch nicht mit dem Feind handgemein geworden. Es hatte noch nichtattackiert. Und nach der Attacke stand aller Sinn. Das hatte unser vonedlem militärischem Ehrgeiz erfüllter Kommandeur, der Oberst Waltervon Loe, gemeint, als er nicht lange vor der Kapitulation von Metz beieiner Pferderevision mit Bitterkeit äußerte: „Da das Regiment noch nichtgenügend Gelegenheit hatte, zu zeigen, was es zu leisten vermag, so ist esdoppelte Pflicht, wenigstens das Material Seiner Majestät dem König zuerhalten."
Jetzt, nach der Bezwingung von Metz , fiel der Ersten Armee, zu der mitdem VIII. Armeekorps das Königshusaren-Regiment gehörte, die Aufgabe Gegenzu, die Zernierung von Paris gegen Norden zu sichern, wo der aus Metz Bourbakientkommene General Bourbaki die französische Nordarmee formierte. Dasganze VIII. Korps, und nicht zum wenigsten das Königshusaren-Regiment,lebte der Hoffnung, daß es nach langem und langweiligem Zernierungsdienstin Nordfrankreich endlich zum frischen und fröhlichen Schädelspaltenkommen werde, wie der wackere Valentin im „Faust" diese Berufstätigkeitdes Soldaten nennt.
Der Vormarsch begann am 7. November. Die Vorhut der 15. Divisionhatte das Königshusaren-Regiment. Wir marschierten durch den Argonner-wald. Die Wege waren schlecht, entweder holperig oder tief lehmig. DasWetter war unfreundlich, kalt und naß. Schnee wechselte mit Regen. Ichhatte ein gutes Pferd, die flotte Grete, und so wurde mir häufig der Auftrag,der Division Meldungen zu bringen oder dort Befehle entgegenzunehmen.Da die Bevölkerung in dieser Gegend störrisch war, sich auch vieleFranktireurs in den Wäldern umhertrieben und nicht wenige Meldereiterund Patrouillen das Opfer verräterischer Überfälle geworden waren,ritten wir mit aufgesetztem Karabiner. Doch bin ich nur zweimal beschossenworden. Einmal pfiff mir eine Kugel dicht am Ohr vorüber. Natürlich be-stand, namentlich nachts, keinerlei Möglichkeit, den Attentäter zu fassen.Es blieb nichts anderes übrig, als es zu machen wie der wackere Schwabein Uhlands Gedicht: sich „nit zu forchten" und „spöttisch um sich zuMicken". Nur, daß ich nicht „Schritt for Schritt meines Weges ging" wieder Schwabe, sondern möglichst flott trabte.
Beim Stabe der Division fand ich, ebenso wie bei den beiden Brigadender 29. Infanterie-Brigade (Oberst von Bock) und der 30. Infanterie-Brigade (Generalmajor von Strubberg), stets freundliche Aufnahme. In