EINE INSTÄNDIGE BITTE
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Einwilligung hierzu nicht versagen. Eine Zusicherung in dieser Richtungkönne ich aber nicht geben, weil ich diese Erlaubnis noch nicht besäße undes mir zu peinlich sein würde, nachträglich von meinem Vater desavouiertzu werden. Ich würde aber alles tun, damit mein Vater, der nach seinemganzen Lebensgang militärischen Dingen ferner stehe, der aber einenoffenen Kopf und viel Gemüt habe, meine Wünsche und Absichten nichtdurchkreuze. Der Oberst, den mein Eifer zu freuen und zu rühren schien,meinte, er würde auch seinerseits an meinen Vater schreiben. Er sagte mirdann: daß ich schon fünf Semester studiert hätte, wäre für meine künftigemilitärische Laufbahn kein Impedimentum, sondern ein Vorteil. Er zitierteeine Reihe von Generälen, die studiert hätten. Er selbst habe mehrereSemester studiert, bevor er in die Armee eingetreten sei. Er schloß mitden freundlich-scherzhaften Worten: „Also, mein lieber Bülow, ich hoffeaus Ihnen einen propern Husaren-Offizier zu machen, einen guten Offizierim Königshusaren-Regiment." Also sprach der Oberst Walter von Loe zumir im Marschquartier Charpentry bei Varennes . Das war meine erstebedeutsame Begegnung mit dem Mann, der mir bis zu seinem achtund-dreißig Jahre später erfolgten Tode Vorbild und Lehrer gewesen ist und denich verehrt habe wie wenige andere Männer.
Am 10. November schrieb ich aus dem Marschquartier Charpentry:„Lieber Papa, der Oberst ließ mich gestern kommen und sprach sehr Brieffreundlich mit mir. Er sagte mir, ich sei ihm aus Bonn gut empfohlen denworden. Die günstige Meinung, die man bei der Ersatz-Schwadron von mirgehabt habe, fände er zu seiner Freude bestätigt. Er frug mich, ob DuDeine Einwilligung dazu geben würdest, daß ich als Avantageur eintrete,er würde mich gern nehmen, denn er glaube, daß ein Husar in mir stäke.Ich sagte ihm, daß ich nicht bezweifele, Du würdest, wenn ich Dir dieGründe für und wider auseinandersetzte, Deine Einwilligung geben. Jedochsei es mir zu peinlich, hinterher von Dir desavouiert zu werden. Vor allemwollte ich Dir den Entschluß nicht über den Kopf hinwegnehmen. Ich selbstwäre ganz und gleich bereit. Er sagte mir hierauf, er würde Dir selbstschreiben. Und kann ich Dich, lieber Vater, nur inständigst bitten,meiner Bitte zu willfahren. Ich bitte Dich dringend, mir die schriftlicheEinwilligung zu schicken, daß ich beim Regiment als Avantageur eintretendarf. Seit Metz haben wir sehr starke Märsche gemacht, zuerst bei kaltem,heute bei Regenwetter. Das Schlachtfeld von Gravelotte war bei der fahlenNovemberbeleuchtung ziemlich trübe. Es geht mir unberufen sehr gut undfühle ich mich durchaus nicht sehr müde. Vom Waffenstillstand ist vieldie Rede. Wie mir der Oberst sagte, glaubt von den Generälen niemandan baldigen Frieden. Die Gegend ist seit Metz recht triste, ab und zuein ärmliches Dorf, sonst Heide oder schlechte Wiesen. Seit gestern