HUSARENSTREICH
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gedachte, die nach des Heilands Geburt vor 1870 Jahren Gott lobten undsprachen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und denMenschen ein Wohlgefallen!"
Um vier Uhr rückten wir in Albert ein. Wir machten dort eine AnzahlGefangene, darunter zwei berittene Dragoner. In der Umgegend vonAlbert machten wir Eisenbahn und Telegraph unbrauchbar. In diesenTagen vollführte der Leutnant von Schräder einen echten Husarenstreich, Karl vonden er selbst wie folgt schilderte: „Am 25. Dezember früh erhielt ich vom SchräderOberst Loe den Auftrag, mit meinem Zug (3. Eskadron) zur Aufklärung desfeindlichen Abmarsches gegen Bray vorzugehen. Nachdem ich mehrfachvereinzelte Nachzügler angetroffen hatte, um die ich mich nicht weiterkümmern konnte, ich nahm ihnen nur ihre Waffen ab, bemerkte ich plötz-lich auf eine Entfernung von etwa sechshundert Schritt in meiner linkenFlanke eine stärkere Abteilung Franzosen , die in derselben Richtung wieich marschierten. Da ich diese meinem nur neun Rotten starken Zuge offen-bar überlegene Abteilung nicht in meinem Rücken lassen konnte, ließ ichsofort aufmarschieren und attackieren. Zu spät bemerkte ich, daß die Fran-zosen am jenseitigen Ufer des fast zwanzig Schritt breiten, für uns natür-lich unpassierbaren Somme-Kanals standen, welcher hier ziemlich bedecktfließt und bei dem herrschenden Nebel erst auf etwa hundert Schritt sicht-bar geworden war. An Halten oder Umkehren war nicht mehr zu denken,da hierdurch die Franzosen , aus ihrer augenscheinlichen Bestürzung — esfielen höchstens fünf bis sechs Schüsse auf uns — aufgeweckt, zu energi-schem Feuer ermutigt worden wären. Es blieb mir also nichts weiter übrig,als meiner alten ,Vigoureuse' die Sporen in die Flanken zu drücken. Unddicht an den Somme-Kanal heransprengend, rief ich der Abteilung mit Ent-schiedenheit zu: ,A bas les armes!' Als nun die Franzosen wirklich dieWaffen senkten, konnte mir das natürlich nicht genügen, da ich besorgenmußte, daß, bevor meine durch den beeilten Ritt über Sturzacker etwas inUnordnung geratenen Husaren aufmarschieren und statt des Säbels denKarabiner aufnehmen würden, die Feinde zur Besinnung kommen und unssämtlich über den Haufen schießen möchten. Ich forderte daher die Fran-zosen auf, ihre Waffen ins Wasser zu werfen, welchem Befehl sie alle ohneAusnahme nachkamen. Sie ließen sich sodann herbei, uns eine Brücke überden Kanal zu zeigen und selbst herüberzukommen, so daß ich die ausfünfundzwanzig Maun bestehende Abteilung ohne weiteres durch eineEskorte zum Regiment zurückschicken und mit dem Rest meines Zuges diemir befohlene Rekognoszierung fortsetzen konnte." Karl von Schräder, nurwenige Monate älter als ich, war mir schon während des Krieges durchseinen Schneid, seine Frische und seine unverwüstliche gute Laune einsympathischer Kamerad. Heute, nach so vielen Jahren, steht sein Bild noch