EIN ORIGINAL
223
von Baden wie des Kaisers und der Kaiserin Friedrich . Es ist bekannt, daßRoggenbach für den intimen Freund, manchen sogar für den morganati-schen Gemahl der Fürstin-Mutter von Wied galt.
Nach meinem Rücktritt schrieb mir Scharffenberg am 6. September1909: „Im Jahre 1897 fragte mich Roggenbach: Was halten Sie vonBülow ? Ich antwortete: Nach den Eindrücken, die ich allzeit von ihm be-kommen habe, ist Bülow ein Mann, der trotz des Klimbims von Stellung,Familie und Geld immer eine Persönlichkeit bleiben wird. Das werden Sieauch nach Ihrem Rücktritt bleiben." Mein guter alter Scharffenberg hatteden Schmerz, während des Weltkrieges einen hoffnungsvollen Sohn vor demFeind zu verlieren. Er hielt ihm einen rührenden, von reinster Vaterlands-hebe und hohem Idealismus getragenen Nachruf. Nach dem entsetzlichenAbschluß des Krieges legte sich Karl Xaver Scharffenberg hin und starb.
Der Pommer Richard von Borcke war ein ausgezeichneter Vertreterseiner kernigen Heimatprovinz und stolz, ein Pommer zu sein. Er erzählte Borckegern eine kleine Anekdote, die diesen Stolz zum Ausdruck brachte. Nachder Schlacht von Leipzig , wo sich die Pommern besonders ausgezeichnethatten, ritt der Kronprinz von Preußen und nachherige König FriedrichWilhelm IV. an ein pommersches Regiment heran, lobte die Leute und fügtehinzu: „Ich bin stolz auf euch, ich bin ja auch ein Pommer." Bekanntlichführte der Kronprinz von Preußen den Ehrentitel „Statthalter von Pom-mern". Ein biederer pommerscher Musketier erwiderte Seiner KöniglichenHoheit: „Ja, jetzt wollen sie alle Pommern sein!" Ich habe mit meinemlieben Richard Borcke bis zu seinem während des Weltkrieges erfolgtenTod korrespondiert.
Der Originellste von uns allen war zweifellos der Avantagcur Pember-tön- Ground. Amerikaner von Geburt und Erziehung, war er bei Beginn Pemberton-des Krieges bei unserem Regiment eingetreten. Er hatte einige Zeit ge- Groundschwankt, ob er auf deutscher oder auf französischer Seite den Krieg mit-machen solle, an dem er unter allen Umständen teilzunehmen wünschte, sichaber schließlich für die deutsche Sache entschieden, weil sein Großvater einstaus Baden nach den Vereinigten Staaten ausgewandert war. Nach Bonn warer gegangen, weil der kornblumenblaue Attila mit gelben Schnüren ihm garso gut gefiel. Er hat sich während der Winter-Kampagne wacker gehalten.Als der Krieg zu Ende war, kehrte er nach Chikago zurück und ließ niewieder etwas von sich hören. Obwohl durchaus schneidig, wurde es ihmdoch, wie manchem anderen, nicht leicht, stundenlang ruhig und unbeweg-lich zu Pferde zu halten, während die Kugeln über unsere Köpfe flogen unddie Granaten in unserer Nähe platzten. Ein frommer Katholik, gelobte erin solchen Augenblicken dem heiligen Antonius, daß er, wenn er durchdessen gnädigen Schutz am Leben bliebe, nie wieder gewisse Häuser