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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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BÜCHER UND DER FÜRST

Ala Fürst Bismarck stürzte, wandte sich Paul Hatzfeldt von dem Gefallenenab, nicht mit geschmackloser Eile, noch mit Übertreibung, aber allmählichund kühl, obwohl Bismarck ihn einige Jahre vor seinem Sturz als dasbeste Pferd in seinem Stall bezeichnet hatte und ihn dienstlich immer be-vorzugte.

Lothar Bücher hatte nicht lange vor der Entlassung des Fürsten Bis-marck seinen Abschied als Vortragender Rat im Auswärtigen Amt ge-nommen, da sein Feind Holstein den von ihm damals ganz beherrschtenStaatssekretär Graf Herbert Bismarck gegen Bücher aufgehetzt hatteund dieser sich von einem so viel jüngeren Vorgesetzten wie HerbertBismarck nicht schlecht behandeln lassen mochte. Als Bismarck sich alsentamteter und verfemter Kanzler nach Friedrichsruh zurückgezogen hatte,stellte sich ihm Lothar Bücher freiwillig zur Verfügung und hat bekanntlichseinem großen Chef bei der Abfassung derGedanken und Erinnerungen zur Seite gestanden. Für künftige Diplomaten füge ich endlich eine Lehrebei, die mir Bücher für die diplomatische Berichterstattung gab:Derrichtige Maßstab für Beurteilung und Berichterstattung bleibt immer der-selbe. Facts, Sir, facts. Die konkrete Äußerung irgendeines leading man,Diplomaten, Deputierten oder Finanziers über einen bestimmten Punktwiegt mehr als ein noch so hervorragender Situationsbericht. UnterdrückenSie nicht aus Bescheidenheit Ihr eigenes Urteil. Lassen Sie es am Schlüssedurchblicken.

Das Haus, in dem ich in Berlin arbeitete, Wilhelmstraße 76, war durchWilhelm- mancherlei Erinnerungen mit meinen Vorfahren verknüpft. Dänischer Ge-straße 76 sandter in Berlin war 1818 Graf Christian Günther Bernstorff , der mit einerTante meines Vaters, der Gräfin Elise Dernath, vermählt war und von 1818bis 1832 preußischer Minister des Äußern gewesen ist. Er vertrat als solcherPreußen bei den Kongressen von Aachen, Verona, Karlsbad, Troppau undLaibach während der Glanzzeit der Heiligen Allianz und des Fürsten Cle-mens Metternich . Sein Übertritt aus dem dänischen in den preußischenDienst war charakteristisch für die ganz alte Zeit. Sein ruhiges Wesen, seinsicheres Auftreten, sein großer Takt waren dem König Friedrich Wil-helm III. von Preußen angenehm aufgefallen. Eines Tages ließ er den däni-schen Gesandten zu sich bitten und frug ihn, ob er die Leitung des preu-ßischen Departements für die Auswärtigen Angelegenheiten unter dem all-mählich älter und unterstützungsbedürftig werdenden Staatskanzler FürstHardenberg übernehmen wolle. Graf Bernstorff dankte für diesen Beweisgnädigen Vertrauens, wies aber darauf hin, daß er in dänischen Dienstenstehe. Lächelnd zog Friedrich Wilhelm III. einen Brief des Königs Fried-rich VI. von Dänemark aus der Tasche, in dem ihm dieser schrieb: Seinemteuren Bruder und Freund, dem König von Preußen, seinen vortrefflichen