UNVERGESSLICHE WOCHEN
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und des Rettenkogels. In St. Wolfgang stiegen wir im „Weißen Roß“ ab,nahe dem Landungsplatz der Dampf boote. Als ich viele Jahre später imBerliner Metropoltheater sehr gut gegeben das „Weiße Rössel“ sah, dachteich an das idyllische St. Wolfgang zurück. Das erschien uns mit seinenengen Gäßchen, den wirr durcheinander gebauten Häusern mit ihren Erkernund Wasserspeiern wie ein wiedererstandenes Stück Mittelalter. Oft be-suchten wir nachmittags die Pfarrkirche, einen schönen gotischen Bau miteinem prachtvollen Hochaltar, der bis zum Gewölbe der Kirche empor-strebt. Auf diesem Altar waren in erhaben geschnitzten Holzfiguren dieheiligen drei Könige zu bewundern, darüber lebensgroß der Gekreuzigtezwischen seiner heiligen Mutter und Johannes, daneben der ErzengelMichael und ein Heiliger, über dessen Namen man sich stritt, ganz obenGottvater zwischen reizenden Engeln. Vor dem himmlischen Vater knietMaria und wird von ihm gesegnet. Wir bewunderten auch an den Enden desAltars vier würdige Bischöfe, den heiligen Wolfgang von Regensburg ,Pilgrim von Passau, Adalbert von Prag und einen vierten Bischof, dessenName auch umstritten war, den wir aber schließlich als den heiligenRuppert von Salzburg feststellten. Benedikt, der Abt von Mondsee , hattediesen herrlichen Altar erbauen lassen. Vollendet hatte ihn Meister MichaelPucher von Bruneck im Jahre des Heils 1481. St. Wolfgang verdankteseine Entstehung den guten Benediktinern von Mondsee , denen KaiserLudwig der Fromme die ganze Gegend zur Besiedelung übergeben hatte.Hierher hatte sich der von seinen bösen Diözesanen vertriebene BischofWolfgang von Regensburg geflüchtet. Hier hatte er, während der phan-tastische Otto III. das deutsche Reich regierte, am Falkenstein in einerEinsiedlerhütte ein frommes Leben geführt, bis er entdeckt und von denRegensburgern reumütig in seine Diözese zurückgeführt wurde, nachdemer den Markt Wolfgang gegründet und dort viele Wunder gewirkt hatte.Aus Ehrerbietung vor dem Heiligen hatten die Bayern , als sie in der zweitenHälfte des sechzehnten Jahrhunderts im Salzkammergut übel hausten, denMarkt Wolfgang mit Kriegskosten und Einquartierung verschont. Ausbegreiflicher Dankbarkeit ließen die Bewohner durch den Passauer MeisterLienhart Raunacher zu Ehren des heiligen Wolfgang, ihres Schutzpatrons,neben ihrer Kirche einen aus Glockenerz gegossenen, schönen Brunnenerrichten.
Für das idyllische Leben, das wir wochenlang führten, ließ sich keinschönerer Rahmen als St. Wolfgang denken. Die biederen Bürger vonSt. Wolfgang kümmerten sich so wenig um uns wie wir uns um sie. Niemandbelästigte, niemand störte uns. Wir gingen Arm in Arm am Seeuferspazieren. Wir fuhren im schmalen Nachen auf dem See, zwischen dessenblaugrünen Wellen und den Nixenaugen der Fürstin Y. ich Vergleiche
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