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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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BOTSCHAFTER-EMPFANG

Stolbergs führen in ihrem Wappen einen schwarzen Hirsch in Gold undzwei rote Forellen in Silber. Der Hirsch ist der Stolz der Harzer Wälder, dieForelle belebt die Harzer Bäche. Ich habe, als ich die Fußreise erwähnte,die ich als Schüler des Haller Pädchens im Harz unternahm, die Versezitiert, mit denen der Dichter Friedrich Leopold Stolberg das werteCheruskerland feiert, dem die Mutter Natur aus vergeudender Urne männ-lichen Schmuck verliehen habe. Otto Stolberg war ein würdiger Sohn desHarzer Landes. Alles an ihm war einfach und tüchtig. Er wußte, was erseinem Namen und seiner Stellung schuldig war. Eitelkeit und Uberhebunglagen ihm fern. Er hat sich nie um irgendeine Stellung beworben und weilteam liebsten im Harz . Er hat aber jedes der vielen ihm übertragenen Ämtermit Pflichttreue und Auszeichnung betreut. Er war durch und durchpatriotisch, aber ohne Engherzigkeit, ohne Borniertheit. Er war schon mitkaum dreißig Jahren Oberpräsident des kurz vorher von Preußen annek-tierten Hannover geworden. Er hat unter schwierigen Verhältnissen diesesAmt während sechs Jahren mit Festigkeit und dabei mit Güte und Takt,immer als vornehmer Mann, geführt. Er war vier Jahre lang, von 1872 bis1876, ein trefflicher Präsident des Preußischen Herrenhauses gewesen. AlsBismarck ihn frug, ob er Lust habe, die Wiener Botschaft zu übernehmen,erwiderte Stolberg , der damals noch nicht vierzig Jahre alt war, es fehle ihman jeder diplomatischen Vorbildung. Darauf Bismarck:Sie waren einjunger Premierleutnant der Gardes du Corps, als Sie ein sehr guter Ober-präsident von Hannover wurden. Sie werden als gewesener Oberpräsidentund Herrenhauspräsident einen vortrefflichen Botschafter in Wien ab-geben. Stolberg hat diese Erwartungen erfüllt.

Bei dem Empfang, den er, wie jeder neue Botschafter, bald nach seinemAntritt in Eintreffen abhalten mußte, erschien das ganze offizielle Wien . Ich werdeWien ni e den verbissenen Ausdruck vergessen, mit dem Freiherr Anton vonSchmerling in die Botschaft trat, damals der Führer der österreichischenVerfassungspartei, in noch älterer Zeit der Begründer und Führer der Groß-deutschen Partei, vom Juni bis zum Dezember 1848 unter dem Reichs-verweser Erzherzog Johann Reichsminister in Frankfurt a. M. SolchenGroll im Gesicht eines Staatsmannes habe ich nur noch einmal wieder-gesehen, bei Gortschakow, am Tage, wo im Kongreßsaal des Reichskanzler-palais der Berliner Vertrag unterzeichnet wurde. Aber bei Gortschakow wardieser Groll persönliche Ranküne wegen verletzter Eitelkeit und ihm, wieer meinte, widerfahrener schlechter Behandlung. Schmerling dagegen trugLeid um Höheres, um das Scheitern seiner politischen Ideale und Aspi-rationen.

Richard Mit heiterer Miene, ein Lächeln auf den Lippen, der echte Typus alt-Mettermch österreichischen Leichtsinns, erschien Fürst Richard Metternich, der