BELAGERUNG VON PLEWNA
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den alten Kriegsruhm des Halbmonds erneuerte. Im September miß-glückten nach schweren Opfern die unter dem Oberbefehl des Fürsten Carolvon Rumänien von den Russen und Rumänen unternommenen Angriffeauf Plewna. Hatten die Russen Mißerfolge, so baten die Griechen uns Ver-treter der neutralen Mächte um Schutz für das von der türkischen Barbarei bedrohte Hellenentum im Osmanischen Reich. Im Grunde ihrerSeele und heimlich freuten sie sich über die russischen Niederlagen. DieGriechen ließen uns keinen Zweifel darüber, daß der Fortbestand desTürkischen Reichs und der Status quo ante bellum ihnen erwünschter seinwürde als ein zu starkes Prävalieren der Russen im Orient.
Schon während des Sommers hatten der englische und der russische Botschafter bei der Hohen Pforte, Elliot und Ignatjew, auf der Reise Elliotundvon und nach Konstantinopel Athen passiert. Man konnte sich kaum einen Ignatjewgrößeren Gegensatz denken als zwischen diesen beiden Diplomaten. Elliotwar in seiner Ruhe ein guter Vertreter jenes insularen Selbstgefühls, dasvielleicht deshalb weniger verletzt als die aufgeblasene Eitelkeit vieler Fran-zosen und selbst als die bisweilen ein wenig pedantische Rechthaberei man-cher Deutschen, weil die steife englische Hoffart urwüchsig und naiv istund, wie die Farbe der Flaare und die Länge der Füße, als etwas Gegebeneshingenommen wird. Ignatjew war weit aktiver. Er war sogar sehr geschäftig.
Er lief von Pontius zu Pilatus. Er versicherte der Reihe nach dem fran-zösischen, englischen, italienischen, österreichischen und mir, dem deutschenVertreter, daß ihm in erster Linie die französischen, englischen, italieni-schen, österreichischen, deutschen Interessen am Herzen gelegen hättenund lägen. Er schwor den griechischen Ministern, er wünsche nichts sehn-licher als die Verwirklichung ihrer „großen Idee“, der /.isydb] löset derWiedererrichtung des Byzantinischen Reichs, und hierfür und nur hierfürhabe er gearbeitet. Er versicherte den Türken, er habe es gut mit derPforte gemeint und tue, was er könne, um sie aus der schlimmen Lage zubefreien, in die sie sich selbst durch Ungehorsam gegenüber Rußland ge-bracht habe. Er trug die Farben so stark auf, daß ihm weder Christ nochMuselmann glaubte.
Im Sommer 1877 suchte ich Olympia auf, wo seit zwei Jahren unterdeutscher Leitung und auf deutsche Kosten Ausgrabungen stattfanden. OlympiaIch trat die Reise in Begleitung zweier Gelehrter an. Prophete rechts, Pro-phete links, das Weltkind in der Mitte. Der jüngere dieser Gelehrten warder Graf Hermann von Solms-Laubach, außerordentlicher Professor derBotanik an der Universität Straßburg . Er interessierte sich nur für seinSpezialfach, die Wissenschaft von den Pflanzen. Der ältere, ProfessorErnst Curtius , stand damals im vierundsechzigsten Lebensjahr. Er hatte Emst Curtiusden nachmaligen Kaiser Friedrich erzogen. Er hatte eine in sieben Auflagen