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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
Entstehung
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XXXVIII. KAPITEL

Beförderung zum Ersten Botschaftssekretär Geschäftsträger Alfons XII. in Paris Fürstin Monia Ouroussow Dr. Landsberg Besuch in Rom Pietro Blasema undMarco Minghetti Neapel, Capo Miseno Reise nach Tunis Dr. Gustav Nachtigal

Algier Dr. Julius Fröbel

A ls mein Chef, Fürst Chlodwig Hohenlohe , Anfang September 1883 seinen

gewohnten Urlaub nach Aussee antrat, war ich nicht lange vorher vom AvancementZweiten zum Ersten Botschaftssekretär befördert worden. Über diesesAvancement hatte ich mich ehrlich gefreut, nicht ganz so sehr wie dreizehnJahre früher über den Gefreitenknopf, über meine Beförderung zum Ge-freiten im Königshusaren-Regiment, aber immerhin mehr als über manchenspäteren größeren Sprung.

Der Hauptgrund für meine Zufriedenheit lag darin, daß ich als ErsterBotschaftssekretär sichere Aussicht hatte, von nun ab jedes Jahr längereZeit die Botschaft als Geschäftsträger selbständig zu führen. Und danachstand mein Sinn. Ich wollte michbetätigen, wie der ehrgeizige diplo-matische Debütant das nennt, wenn er sich zum erstenmal auf der Bühneproduzieren soll.

Stille aber herrschte in der Welt, und nichts deutete auf Sturm, als meinBotschafter Paris verließ. Der Tod des Grafen von Chambord, des letztenVertreters der älteren Linie des Hauses Bourbon und damit der Legitimitätin Frankreich, hatte nur für Frankreich Bedeutung, und bei der fort-schreitenden Konsolidierung der Republik auch da nur geringe. AlphonseDaudet schrieb seinen RomanLes rois en exil, der mit der melancholischenWendung schließt:La royaute, une grande vieille chose morte. Alseine solche alte und große, aber tote Sache betrachtete Daudet das Königs-tum. Das schien damals nur für Frankreich zu gelten. Die Einnahme vonHue, der Hauptstadt von Anam, war ein weiterer Erfolg für die Franzö-sische Republik . Damit sie nicht übermütig werde, richtete Mitte AugustdieNorddeutsche Allgemeine Zeitung, das Sprachrohr des Fürsten Bis-marck, einen besonders kräftigen kalten W asserstrahl gegen dieunsinnigeDeutschenhetze der französischen Presse, die am Ende doch zum Kriegeführen könne.

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