XLVI. KAPITEL
König Carol über die Entlassung des Fürsten Bismarck • Verlobungsfeier im rumäni-schen Königshause • Ernennung Bülows zum Botschafter in Rom • Abschied vonKönig Carol • Letztes Zusammensein mit der Mutter in Berlin
A ls ich, nicht lange nach dem Rücktritt des Fürsten Bismarck, aufeinige Tage nach Berlin kam, herrschte dort jene Gemütsverfassung,die der Franzose mit dem Worte „Ouf!“ ausdrückt. Demokraten und Kle-rikale jubelten. Die Konservativen atmeten auf. Der sehr intelligente,durchaus aufrechte Legationsrat der Kaiserlichen Gesandtschaft in Buka-rest, Freiherr von Dörnberg, dem ich seinerzeit meinen Warnungsbrief anPhilipp Eulenburg vor seiner Absendung gezeigt hatte und der damals diesenBrief eine „Tat, und zwar eine gute Tat“ nannte, meinte, als wir uns beimeinem Bruder Alfred in Stuttgart wieder begegneten, daß auch in Süd-deutschland über den Rücktritt des Fürsten Bismarck vorwiegend Be-friedigung herrsche. Man höre überall: „Es wird nun besser gehen und dasLeben gemütlicher werden.“
Anders sprach freilich Herbert Bismarck, der mich kurz nachher inHerbert Bis- Wildbad besuchte, wo ich mit meiner Frau einige Wochen verlebte. Ermarck über sa gte mir, er komme, um mir zu danken, daß ich seinem Vater immer treudie Demission t g e jjij e }j Cn se L I c h würde ihm gewiß auch fernerhin treu bleiben. Herbert1 hatte von einem Beamten des Zentralbüros im Auswärtigen Amt gehört,daß ich von den Vertretern des Reiches der einzige gewesen sei, der dieEntlassung des Fürsten Bismarck zum Gegenstand eines amtlichenSchreibens gemacht habe, das auf den Ernst und die Tragweite diesesEreignisses hingewiesen habe. Unsere anderen Vertreter hätten sich ent-weder ausgeschwiegen oder der Überzeugung Ausdruck verliehen, daß inder genialen Persönlichkeit unseres jugendfrischen Kaisers die beste Ge-währ für die Zukunft liege. Herbert erzählte mir erschütternde Einzel-heiten über die Rücksichtslosigkeit, mit der sein Vater persönlich vonKaiser Wilhelm II. behandelt worden sei. Der Kaiser habe das Abschieds-gesuch des treuen Dieners seines Großvaters gar nicht erwarten können unddurch den Chef seines Zivilkabinetts, Herrn von Lucanus, den General-adjutanten Hahnke und durch andere Mittelspersonen immer wieder die