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4 (1931) Jugend- und Diplomatenjahre
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DER BÖNHASE

berichtet, daß der Fortgang Ihres Vaters hier bei allen Anhängern derbestehenden Ordnung und des Zusammengehens mit Deutschland tiefstesBedauern erregte. Auf diesem Wege möchte ich Ihnen noch mitteilen, daßKönig Carol , Carp und Sturdza in besonders würdiger und warmer Weisemir gegenüber dieser Gesinnung Ausdruck gaben. Mit der Bitte, IhrenEltern meine ehrerbietigsten Empfehlungen übermitteln zu wollen, undindem ich zu Gott hoffe, daß es Ihnen allen so wohl ergehen möge, wie ichdas mit ganzer Seele erhoffe, bin ich in alter Treue stets Ihr B.

Herbert antwortete mir am 3. Mai 1890 aus Friedrichsruh :Haben SieAntwort aus herzlichsten Dank für Ihren freundlichen Brief vom 18. v. Mts., den ichFnednchsruh vor einigen Tagen hier erhielt. Es hat mich sehr gefreut, von Ihnen zu hören,und die warmen Worte, mit denen Sie unserer gedenken, sind mir zu Herzengegangen. Wir beide kennen uns von Kindesbeinen an und haben immerzusammengehalten, da bedarf es zwischen uns keiner weiteren Ver-sicherungen. Es würde mir aber sehr lieb sein, mit Ihnen einmal wiedereinen mündlichen Meinungsaustausch zu pflegen, und ich hoffe sehr darauf,mit Ihnen im Sommer zusammenzutreffen. Übermorgen gehe ich auf dreiWochen nach England, den größeren Teil des Juni werde ich hier in Fried-richsruh und den Juli in Königstein zubringen. Im August und Septembergehe ich vielleicht etwas an die See, eventuell auch mit meinem Vater nachKissingen, wenn es dazu kommen sollte; natürlich hat er wenig Lust zudiesem Bade und möchte lieber an die See. Schweninger muß seinerzeitentscheiden. Meine Adresse bleibt einstweilen Friedrichsruh. Daß ichwieder in den Dienst gehe, glaube ich nicht, obgleich man nie sagen soll,source je ne boirai pas de ton eau; aber es wird auch wohl gar nicht von mirverlangt werden. Ich habe kein Vertrauen auf die Talente des badischenStaatsanwalts, der jetzt unsere auswärtige Politik als Bönhase zu leitenunternommen hat, und sehr von seiner Wahl abgeraten. Er hat sich außer-dem gegen meinen Vater so intrigant und gegen mich so manierlos be-nommen, daß ich unter ihm nicht dienen würde, und wäre ich gesund wieein Fisch im Wasser. Letzteres bin ich gegenwärtig leider gar nicht. Ichhabe in den langen und harten Jahren zu viel zugesetzt und werde viel Zeitbrauchen, ehe ich mich notdürftig zusammenflicke. Daß Sie viel Freund-schaft unter den jetzigen Spitzen des Auswärtigen Amtes und derenAmanuensis haben, kann ich auch nicht annehmen, und noch mehr trifftdies auf unsern guten Freund Vitzthum zu, und ich habe es mir angelegensein lassen, ihm durch einen meiner letzten Dienstakte noch einen etats-mäßigen Posten zu verschaffen. Da er zum Botschaftsrat noch nicht heranwar, nahm ich an, es würde ihm am liebsten sein, zu Ihnen zu kommen,sonst hätten die Leute ihn vermutlich nach Rio oder Lissabon relegiert.Grüßen Sie ihn, bitte, vielmals von mir . Meinen Eltern geht es gottlob