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Vergleichende Statistik der Eisen-Industrie aller Länder und Erörterung ihrer ökonomischen Lage im Zollverein / von Wilhelm Oechelhäuser
Entstehung
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In Deutschland hat sich namentlich eine von der gewöhnlichenFrischere! abweichende Methode, die Osem und frischerei, selbst bisin die neueste Zeit, jedoch in geringem Umfange, erhalten. DasOsemundeisen (hauptsächlich in Altena, Hagen u. s> w. ausSiegnischem Roheisen dargestellt), hatte großen Ruf, insbesonderefür die Fabrikation von Draht, Sägen und anderen Eisenwaaren.Uebrigens ist in allen diesen Fällen das Princip, wonach dieEntziehung des Kohlenstoffes stattfindet, dasselbe.

Der Holzkohlenverbrauch beim Frischfeuer beirägt 1 bisCentner auf den Centner Stabeisen. Hierdurch, wie durch diegeringe Production eines Frischfeuers und die verhältnißmäßigstarke Arbeiterzahl kommen die Kosten der Verwandlung desRoheisens in Stabeisen allerdings hoch. Wo es sich jedoch umdas beste, zäheste und reinste Eisen handelt, wird noch immerder Mehrpreis gegen das bei Steinkohlen gefrischte und gewalzteStabeisen gezahlt.

Die Steinkohlensrischerei wird in Flammöfen ähnli-cher Construction vorgenommen, wie sie zum Umschmelzen deSRoheisens dienen. Man nennt diese Methode daher auchFlammofen-Frischerei, noch häufiger aber Puddling-Frischerei. Sie wurde von den Engländern Cort und Par-ne'll im Jahre 1787 erfunden. Das zu »erfrischende Roheisenwird bei dieser Methode nur der darüber hinstreichenden Flammebrennender Steinkohlen ausgesetzt, während es im Frischfeuer inunmittelbarer Berührung mit den als Brennmaterial dienendenHolzkohlen ist. Die Anwendung von Gebläsen ist beim Pudd-lingofen, wie überhaupt bei allen Flammöfen, ausgeschlossen.Das Entziehen des Kohlenstoffes geschieht vielmehr durch fort-währendes Durcharbeiten und Umwenden des halbflüssigen Roh-eisens, wodurch möglichst große Flächen der Luft ausgesetzt undso unter Entwicklung von Kohlenoxydgas vom Kohlenstoff be-'freit werden, Von dieser Arbeit wird die Methode Puvdling-frischerei (puäciler, rühren) genannt. Ist der Kohlenstoff ent-fernt, so wird das Eisen zu kleinen Luppen geballt und vorerstunter einem Hammer zusammengedrückt, (mitunter auch auf so-genannten Luppenmühlen gequetscht oder zwischen den Zänge-walzen gewalzt), um es zu verdichten und die noch gebliebeneSchlacke auszupressen.