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den Bezug ausländischen Roheisens zu stützen begann, fiel jenerindirekte Schutz, der im Stabeisenzoll sür den inländischen Hoch-ofenbetrieb lag, von selbst weg, und der Einfluß hiervon mußte sichbald um so empfindlicher geltend machen, als zugleich das erwähnteaußerordentliche Fallen der ausländischen Preise und Selbstkostenstattfand. Auch die Eisenbahnen, obgleich sie den Eisenverbrauchso außerordentlich steigerten und also unter normalen Verhältnissendie Lage des Gewerbes hätten bessern müssen, erleichterten dieBedrängniß des inländischen Hochofenbetriebs nicht, indem zuihrer Anfertigung im Wege der Puddlingfrischerei fast nur aus-ländisches Coakseisen verwandt wurde. Diese thatsächlichen Aen-derungen der ökonomischen Lage unserer Eisenindustrie im Ver-hältniß zum Ausland muß man im Auge behalten, indem sichhieraus ergiebt, daß die Auflegung des RoheisenzollS, eine derwichtigsten Aenderungen, die seit 1818 im Zollvercinstarif vor-genommen wurden, durchaus nicht etwa auf Rechnung einer ge-stiegenen Schutzzolltendenz zu setzen ist. Nach den Prinzipien desTarifs von 1818 und der bei der ersten Feststellung der Zollsätzebefolgten Praris, mußte konseanenterweise eine Besteuerung deSRoheisens, so gut wie es beim Kupfer, Blei, Zink u- f. w. geschah,Platz greifen, wenn in den objektiven Verhältnissen damals schoneine solche Veranlassung dazu vorlag, wie sich seit 1340 ergab.
Die mit den sinkenden Preisen des ausländischen Roheisenssteigende Nothlage der inländischen Eisenindustrie hatte nament-lich seit 1840 zu Klagen der Hochofenbesitzer Veranlassung gege-ben, die nicht länger zu überhören waren. Im Frühjahr 1842ward von der preußischen Regierung eine Konferenz von Eisen-produzenten und Eisenhändlern zur Berathung über diese Fragezusammenberufen. Obgleich nun damals die Preise schon so weitgewichen waren, daß graues schottisches Roheisen zu Thlr. 12.28 Sgr. pro 1000 Pfund nach Berlin bezogen, und obgleichauf's evidenteste nachgewiesen wurde, daß man in Schottland undWales wirklich im Stande sei, zu solchen Preisen noch mitNutzen zu verkaufen, so glaubte sich doch die Mehrheit der Kö-niglichen Kommissare gegen die Auflegung eines RoheisenzollSaussprechen zu müssen. Die Motivirung hob vom Standpunktedes Freihandels aus das Uebergewicht der bei der Konsumtionscher die bei der Produktion betheiligten Interessen hervor; sie