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tigung des Staates sind es auch, welche den Zusammenhang desSchutzsystems mit dem Communismus entdeckt und die Polemiküber ökonomische Prinzipicnfragen mit den bekannten Phrasen vonRaub und Diebstahl, von Ausbeutung der Armuth zu Gunsteneiner Handvoll Fabrikanten u. s. w., bereichert haben. Mit die-sem Theil der Freihandelspartei, wie gesagt, rechten wir nicht.
Allein hie prinzipielle Opposition gegen jegliche handelspoli-tische Maaßregel entspringt bei einem anderen Theile der Frei-handelspartei, zwar nicht auS Zweifeln an der Berechtigung, wohlaber an der Befähigung des Staates, die allgemeine Wohl-fahrt besser fördern zu können, als dies der natürliche Erwerbs-trieb der einzelnen Individuen thut. Dieser Ansicht ist nun auchkeineswegs absolut entgegen zu treten; so ist z. B. beim Staateselbst die höchste Befähigung zum Betriebe des Handels, desAckerbaues oder einzelner Gewerbe sicherlich nicht vorauszusetzen-Die Errichtung von Musteranstalten etwa ausgenommen, solltensich in der That die Regierungen selbst mit Handel oder Gewer-ben nicht befassen, noch in der Weise wie Colbert that, durchBestimmungen über technische Methoden, Umfang der Geschäfte,Preise u. dergl. in das Innere des Gewerbebetriebs und Han-dels eingreifen wollen. Der Unterschied zwischen einer Einmischungdes Staates in solchem Sinne und zwischen der Tendenz undWirksamkeit eines bestimmten Schutzzolles ist aber auch zu ein-leuchtend, um in den Augen des denkenden Menschen der näherenAuseinandersetzung zu bedürfen. — Welche Anomalie ist es aberandererseits, auf dem gesammten wirthschaftlichen Boden dem In-dividuum die Unfehlbarkeit zuerkennen, dem Staat dagegen alle Ur-theilsfähigkeit absprechen zu wollen? Der Einzelne mag ein spe-zielles Gewerbe besser führen können als der Staat, allein dieallgemeinen Gesetze der Entwicklung eines nationalen Güterlebens,die Umstände, welche seine gegenwärtige Lage und seine Zukunftbedingen, lassen sich sicherlich von einem höheren, dem Getriebeder Privatinteressen entrückten Standpunkt besser und richtigerbeurtheilen. Wie manche Maaßregel aber, die von der Gegen-wart Opfer fordert, stellt sich durch die Rücksicht auf die Zukunftals nothwendig dar, — Rücksichten, die dem einzelnen Individuumfern liegen und zu denen es sich aus eigenem Antrieb nicht be-quemt. So wenig überhaupt auf irgend einem Gebiet ein voll-