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Vergleichende Statistik der Eisen-Industrie aller Länder und Erörterung ihrer ökonomischen Lage im Zollverein / von Wilhelm Oechelhäuser
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tion in der Regel ein solches Bedürfniß ist, daß selbst bei größerenPreisunterschieden dennoch kein starker Bezug aus dem Auslanderfolgen würde-

Bei den Gußwaaren stellt sich übrigens wieder ganz dasselbeVerhältniß zur Zollfrage heraus, welches wir bei den zwei Klas-sen der Stabeisenfabrikation erörterten. Hierbei stehen sich näm-lich gegenüber:

1) die Gießereien, welche inländisches Eisen verbrauchen, undzwar entweder:

g) unmittelbar aus den Erzen (Hochofengußwaaren), oderb) durch Umschmelzung inländischen Roheisens;

2) die Gießereien welche ausländisches Roheisen verbrauchen.Es ist klar, daß das Interesse der Anstalten sud 1. in er-ster Ordnung einen genügenden Roh eisen zoll erfordert. Dennselbst der höchste Zoll auf Gußwaaren würde sie nicht schützen,wenn die Gießereien sud 2. das ausländische Roheisen zollfreibeziehen könnten. Das Verhältniß, in welchem sich beide Klassenvon Gießereien entwickelt haben, gestattet hier abermals einenSchluß wie der Roheisenzoll von 10 Sgr. die unterste Grenzedes sür Erhaltung unserer inländischen Gießereien nothwendigenSchutzes gewährt. An der außerordentlichen Ausdehnung derGußwaarenerzeugung hat nämlich die Produktion unmittelbaraus Erzen seit langer Zeit keinen Theil mehr genommen, sich imGegentheil nur mühsam bei bem bisherigen Bestände behauptet,wonach also die ganze Zunahme lediglich auf die Gußwaarendurch Umschmelzung von Roheisen entfällt.

Die zweite Klasse von Gießereien, die ausländischesRoheisen verbrauchen, hat natürlich jenes Interesse am Roheisen-zoll nicht. Für viele derselben wird es zwar, gerade wie bei denPuddlingwerken, von großem Vortheil sein, inländische Cvakshoch-öfen in ihrer Nähe entstehen zu sehen. Andere dagegen, z. B.die in den nordöstlichen Provinzen belegenen Cupolöfen werdenvoraussichtlich in dem Bezug von Schottland , auch bei einer wei-ter fortgeschrittenen inländischen Hochofenproduktion, den größerenVortheil finden. Daß aber sür deren Bestehen und Entwicklungder Zoll von 10 Sgr., so lange er beibehalten werden muß, nichtstörend wirkt, zeigt der thatsächliche Fortschritt, den sie gemacht,und der mit der Auflegung des Roheisenzolls im Jahr 1844