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Vergleichende Statistik der Eisen-Industrie aller Länder und Erörterung ihrer ökonomischen Lage im Zollverein / von Wilhelm Oechelhäuser
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niß kann für den übrigen Eisenbedarf der Bahnbauten gelten,den die Maschinen, Wagen, Stühle, Nägel u. f. w. erfordern.Die eingeleisige Meile zu 12,000 Centner Eisenbedarf gerechnet,betrüge demnach die reine Vertheuerung zu Gunsten der inländi-schen Eisenindustrie 5000 Thlr. Da nun die bis Ende 1846in Deutschland erbauten Bahnen im Durchschnitt 334,821 Thlr.pro Meile gekostet haben, so macht die Vertheuerung etwa 1^-Prozent des Anlagekapitals aus. Nur die großartigste Ueber-treibung kann somit die Eisenzölle als ein Hinderniß der Ent-wicklung oder der Rentabilität unsrer Eisenbahnen darstellen. InEngland kosten die Bahnen 1,094,800 Thlr., in Belgien 519,140Thlr . pro preuß. Meile; die zollvereinsländischen kommen somiteben nur auf ^ der letzteren und nur der ersteren. Die bel-gischen Schienen haben überdies nach offiziellen Berichten bisEnde 1847 auf die Bahn gelegt im Durchschnitt Fr. 31. 50 Cent,pro 100 Kil. oder Thlr. 4. 9^ Sgr. pro Centner (die theuer-sten Thlr. 6. 2. 2 Pf., die billigsten Thlr. 2. 26. 9 Pf.) geko-stet, also nur 5^ Sgr. weniger als im Zollverein. Man siehthieraus, wie wenig die Eisenzölle, ja die Gesammtkosten für Eisen,bei Bahnanlagen den Ausschlag geben.

Noch eklatanter zeigte dies das Beispiel der VereinigtenStaaten von Nord-Amerika . Die Schienen sind dort durchschnitt-lich mindestens noch 20 Prozent theurer gewesen als im Zoll-verein, und doch hat dieses Land sowohl relativ wie absolut eineweit größere Eisenbahnlänge ausgeführt und überhaupt einenweit stärkeren Eisenconsum als selbst Großbritannien . In der Thatist von den vier Ländern, die mehr Eisen auf den Kopf verbrauchenals der Zollverein, nur eins Großbritannien das wesent-lich niedrigere Eisenzölle hat, als der Zollverein. Belgien undFrankreich haben weit höhere Sätze, und der Zoll von 30 Proz.in den Vereinigten Staaten ist zwar bei einigen Eisensorten nie-driger, bei andern aber auch so viel höher als der unsrige.

Wie im vorigen Paragraphen erörtert, haben solche spezielleVertheuerungsberechnungen allerdings keine entscheidende Bedeu-tung, indem sich die wirkliche Belastung nach dem Maaße desVerzehrs und Einkommens auf die Individuen vertheilt. Alleinsie gewähren dennoch einen Schluß auf das überhaupt stattfin-dende Vertheuerungsverhältniß und dessen Unverfänglichkeit für