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Vergleichende Statistik der Eisen-Industrie aller Länder und Erörterung ihrer ökonomischen Lage im Zollverein / von Wilhelm Oechelhäuser
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Im großen Durchschnitt wird man bei den bestehenden Wer-ken im Zollverein den Frachtbetrag der zu 1 Centner Holzkohlen-roheisen erforderlichen Rohmaterialien auf 15 Sgr. oder 30Prozent der Selbstkosten veranschlagen können; beim Coakseisenetwa auf 10 Sgr. oder 25 Prozent.

Berücksichtigt man nun, welche außerordentliche Differenzenin den Frachtsätzen je nach Art und Mittel des Transports bele-gen sind, so wird man erkennen, wie beinahe die ganze Fragevon der Schutzbedürftigkeit unserer Eisenindustrie in die Fragevon der Erniedrigung des Frachtkoizfficienten eingeschlossen ist.

Bei kurzen Entfernungen und schlechten Waldwegen kostetder Transport 1 Sgr. und darüber pro Centner und Meile. Jadie Kosten erhöhen sich vielfach noch ganz bedeutend, indemder Zustand der Wege (wie dies in Schlesien , Sachsen u. s. w.häufig ist) blos einige Monate im Jähr das Ab- und Ansah-ren der Erze und Kohlen gestattet, wo also auf den Hüttengroßartige Vorräthe aufgehäuft werden müssen, deren Zinsen dieProduktion vertheuern.

Bei mittleren Entfernungen auf gewöhnlichen Chausseen kön-nen wir 9 Pf. pro Centner und Meile rechnen. In den Eisen-bahnfrachttarifen sind für Erze und Kohlen Differenzen von 3bis herab auf 1^- Pf. pro Meile. Bei Wasserfrachten findenwir Sätze von 2 bis zu 1 Pf., ja bei der Thalfahrt auf weitereStrecken und als Rückladung kaum ^ Pf. pro Centner und Meile.

Nehmen wir also 5 Centner Rohmaterialien auf 1 CentnerRoheisen an, deren Transport auf gewöhnlichen Waldungen15 Sgr. gekostet habe, so kann hier die Anlage von Chausseeneine Verminderung bis auf 10 Sgr. bewirken. Die Anlage ei-ner Eisenbahn dagegen für ein Revier, das bisher blos Chausseenund Kommunalwege hatte, würde einen Frachtbetrag von 15 Sgr.auf etwa 4 Sgr. reduziren, eine Differenz, die den Normalzollvon 10 Sgr. noch übersteigt.

Die gewöhnliche Chausseefracht von 9 Pf. pro Centner undMeile wird sich als unterste Grenze der bisher von den Eisen-werken getragenen Transportkosten annehmen lassen. Denn dieauf Waldwegen zu weit höheren Frachten beförderten Massensind unverhältnißmäßig bedeutender, als diejenigen, wofür einWasserweg oder eine Eisenbahn zu Gebot stand.