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Auf dieser letzten Strecke (von Wetzlar bis Gießen) fälltdiese Hagen-Siegen-Gießener Bahn mit einem weiteren Projektzusammen, das ebenfalls für die deutsche Eisenindustrie von außer-ordentlicher Bedeutung ist, nämlich die Lahnbahn von Gießennach Koblenz, welche die großartigen Lagerstätten von Roth-und Brauneisensteinen aufschließen würde, die längs dieses Flussesim Preußischen (Wetzlar und Braunfcls) und im Nassauischenbis zur Rheinmündung hin vorkommen, und jedenfalls von derhöchsten Bedeutung für die Zukunft der deutschen Eisenindustriesind. Die Lahn selbst ist zwar einigermaßen schiffbar gemacht,allein nur wenige Monate des Jahres vermag sie einem so groß-artigen Verkehr zu dienen, wie ihn die an ihren Ufern aufge-schlossenen Erzlagerstätten bedingen, so daß die Ausführung einerEisenbahn sich hier als dringendes Bedürfniß herausstellt. Si-cherem Vernehmen nach ist auch bereits von der nassauischen Re-gierung eine Concession hierauf ertheilt worden, und darf mansich somit wohl der Hoffnung auf eine baldige Durchführungüberlassen. Betrachtet man den jetzigen Absatzkreis der nassauischenErze und die Frachtbeträge, mit denen sie bei ihrer Verhüttungbelastet sind, so läßt sich ein sicherer Schluß ziehen, welcher Entwick-lung sowohl als welcher Reduzirung der Selbstkosten eine hieraufgegründete Eisenindustrie noch fähig ist. Jene Erze werden ver-sandt bis mitten ins Ruhrkohlenrevier, bis zur Saar , die Rhein-pfalz, Elsaß, Odenwald, Spessart u. s. w., und während man denHaldenpreis auf 1^ bis 3 Sgr. pro Centner (3^ bis 7z Sgr.pro Centner Roheisen) annehmen kann, verhüttet man sie nochwo die Frachten jenen Preis bis aufs Vier- und Sechsfache ge-steigert haben. Man sieht, daß hier die Frachten solche bedeu-tende Posten der Selbstkosten darstellen, daß gegenwärtig der größteTheil der Hütten, welche Lahncisensteine verbrauchen, des Roheisen-zolleö dringend nöthig haben mag, während Ermäßigungen derFrachten, selbst um einen höheren als den Zollbetrag, und damitdie vollkommene Konkurrenzfähigkeit gegen das Ausland sicherlichals erreichbar zu betrachten sind.
Die Lahnbahn bildet hiernach zwar keine direkte Verbindungeines Erzreviers mit dem Kohlendistrikt; wohl aber führt sie dieErze nach der großartigen Wasserstraße des Rheins, von wo sienach allen Richtungen hin billig weiter befördert werden können.