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Vergleichende Statistik der Eisen-Industrie aller Länder und Erörterung ihrer ökonomischen Lage im Zollverein / von Wilhelm Oechelhäuser
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litik betrifft, nämlich im Wege von Händelsverträgen dif-ferentielle Bevorzugungen des diesseitigen Fabrikatsin den Einfuhrzöllen anderer Länder zu erstreben, sokann hierbei die gegentheilige Tendenz, welche dem belgischen Ver-trag vom 1. Sept. 1844 zu Grund lag, als Richtschnur dienen.Wie dieser Vertrag die Einfuhr ausländischen Eisens diffe-rentiell begünstigte, um andern diesseitigen JndustriecrzeugnisscnVortheile wie sich noch dazu herausgestellt hat, chimärischerNatur bei der Einfuhr in Belgien zu verschaffen, bietet sichumgekehrt der weiteste Spielraum dar, dem inländischen Eisensolche Vortheile zuzuwenden. Wir sind dabei nicht der Ansicht,daß dieß auf Kosten anderer Industriezweige zu geschehen habe;hierzu liegt auch gar keine Nothwendigkeit vor, obgleich der größteTheil derselben in der Lage ist, die Konkurrenz des Auslandeswenig mehr zu scheuen. In den Zollsätzen auf Verzehrungs-gegenstände, Fabrikmaterialien, Colonialwaaren u s. w. ist hinrei-chender Stoff gegeben, Begünstigungen, die das Ausland unseremEisen zuwenden will, zu erwiedern.

Mit Ausnahme von Großbritannien, Belgien und Schwe-den ist kaum ein Land, wo unsere Eisenindustrie keinen Vortheilaus derartigen Verträgen zu erwarten hätte, auch wenn sie aufdirekter Gegenseitigkeit beruhten, d. h- dem jenseitigen Eisen diegleiche Bevorzugung bei uns einräumten. Bei Nußland wie denVereinigten Staaten, bei Dänemark und Holland wie bei Brasi-lien, bei Spanien wie bei Italien , überall würde uns ein kleinerVorzug in den Zöllen zu einer Erweiterung unserer Eisenausfuhrdie Möglichkeit darbieten, sei es auch vor der Hand bei den ent-fernteren Ländern nur für feinere Eisensabrikate.

Zunächst bleiben es indeß immer die Grenzländer, wo sich namentlich bei so verhältnißmäßig wohlfeilen und schwerenWaaren die vortheilhaftesten Aussichten eröffnen. Treten wirnun in das konkrete Gebiet der schwebenden handelspolitischenFragen ein, so sind es vornehmlich zwei derselben, welche sowohlvom Allgemeinen, als vom speziellen Standpunkt der Eisenindu-strie aus, unser höchstes Interesse in Anspruch nehmen. Es sinddies die Fragen von dem Zollanschluß des SteuervereinSund von dem Abschlüsse eines engen Handelsver-trags mit Oesterreich .

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