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Das Freihandelsargument / von Lujo Brentano
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mit der die Zonderinteressen die Staatsgewalt ihremgroben Appetit dienstbar zu machen suchen, größer. Nochnie hat die Verwilderung der Polemik ähnliche Aus-artungen gezeitigt, wie wir sie in den letzten Iahrenauf wirtschaftlichem Gebiete erleben mußten. Niemalsist die Verworrenheit in der öffentlichen Behandlungwirtschaftlicher Fragen ärger gewesen.

Durch das verlangen nach rückhaltloser Feststellungder Wahrheit, das 5ie beseelt, ist auch die 5lrt meinerBehandlung des heute zu erörternden Themas gegeben.Ich trete an dasselbe heran unbehindert durch die Wünscheirgend welcher Interessenten, ohne Rücksicht aus die Pro-gramme irgend welcher Parteien und unbekümmert umdie Richtung, welche die gegenwärtige Negierung in denheute schwebenden handelspolitischen Fragen schließlicheinschlagen mag. Und als handelte es sich um irgend einden Leidenschaften entrücktes Problem der parteilosestenaller Wissenschaften, der Mathematik, so bitte ich auchSie, meinen Ausführungen zu folgen. Auch kann esheute kein Thema geben, das eine solche Behandlungnötiger hätte, als das Argument des Freihandels. Istdoch keines seit Dezennien im Ltreit der entgegenstehendenInteressenten schlimmer verzerrt worden, so daß dieWenigsten es heute richtig anzugeben vermögen.

Unter Agrariern begegnet derjenige, der zum Frei-handel sich bekennt, heute häufig dem Vorwurf, ersei ein Vertreter kaufmännischer Interessen und opferedenen, die nur vom Umsatz leben, die Interessen der alleinproduktiven Nlassen des Landes. Nun ist es allerdingseine durch die Erfahrung aller Lände? bestätigte Wahr-heit, daß der auswärtige Handel und die ihm dienendeHandelsmarine parallel mit einer m:hr freihändlerischen