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Das Freihandelsargument / von Lujo Brentano
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Gesetzgebung zunehmen, mit einer mehr schutzzöllnerischenzurückgehen, weshalb eine verstärkte Schutzpolitik beigleichzeitigen Bestrebungen, die Flotte zu mehren, zuden eigentümlichen Widersprüchen gehört, an denen unserheutiges öffentliches Leben krankt. Allein die Beschul-digung ist doch nur ein Symptom jenes Tiefstandes derheutigen volkswirtschaftlichen Diskussion, die sich etwasanderes als ein Sonderinteresse als Ursache einer wirt-schaftspolitischen Meinung gar nicht mehr vorzustellenvermag. Abgesehen davon, daß die Beweglichkeit derMänner, die im auswärtigen Handel tätig sind, so großist, daß gerade sie am wenigsten verlegen sein würden,wo ihre Arbeit und ihr Kapital nutzbar zu machen,wenn der auswärtige Handel nicht mehr gewinnbringendwäre, was sollte den Freihändler veranlassen, die Inter-essen gerade dieser Männer in sein herz zu schließen!Welche Unwissenheit dokumentiert sich ferner nicht injenem vorwurs, wenn man sich erinnert, wie gering-schätzig gerade der Vater des Freihandels, Adam Smith ,über den auswärtigen Handel gedacht, und wie er geradedie Landwirtschaft über alle übrigen Erwerbszweigegestellt hat! Wenn er trotzdem für den Freihandel ein-trat, muß dessen theoretische Begründung also doch wohlin anderem wurzeln.

Wenn wir das Freihandelsargument kennen lernenwollen, müssen wir vielmehr alle Sonderinteressen ver-gessen und lediglich das Gesamtinteresse ins Auge fassen.Und zwar nicht etwa bloß das Gesamtinteresse, insoweitalle Menschen Konsumenten sind und als solche dasInteresse haben, ihre Bedürfnisse möglichst vollkommen,aber mit dem geringst möglichen Auswand zu befriedigen,sondern nicht weniger das produktionsinieresse der