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Das Freihandelsargument / von Lujo Brentano
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bewahren. Sie können noch mehr tun: sie können durchplanmäßiges Anpassen der Produktion an den LedarsKrisen verhindern, und, indem sie leistungsunfähige Be-triebe unter Entschädigung ausschalten, den Fortschrittin der Technik und in der ökonomischen Organisationschmerzloser gestalten und dabei, trotz steigenden Unter-nehmergewinns, dem Konsumenten die Produkte ver-billigen. Mlein die Kartelle beschränkten sich nicht aussolches gemeinnütziges Wirken, viele nahmen denCharakter von Ringen an. Die innere Konkurrenz,welcher Friedrich List die Funktion zugewiesen hatte,die Inlandspreise allmählich auf das Niveau der Welt-marktspreise herabzudrücken, wurde von ihnen ausge-hoben, um den Inlandspreis um den vollen Betrag desZolls über den Weltmarktspreis zu steigern. Da derGesetzgeber, so argumentierte man, den Schutzzoll ein-führte, wollte er, daß der Inlandspreis um den Betragdes Zolls über dem Weltmarktspreis stehe. Wir kommenalso nur der Kbsicht des Gesetzgebers nach, wenn wir dieKonkurrenz verhindern, welche den preis unter diesenSatz Herabdrücken würde. 5luf diese Weise gelingt esihnen, die Generalkosten ihrer Betriebe schon durch denErlös aus den im Inland abgesetzten Produkten zudecken, und sie können nun um so billiger ans Kuslandverkaufen. Der Schutzzoll ist also etwas ganz Neuesgeworden, eine Einrichtung, um dem heimischen Kon-sumenten die Mittel zur leichteren Besiegung der Kon-kurrenten auf dem Weltmarkt zu entreißen. Nicht nurdurch staatliche Ausfuhrprämien, wie sie z. B. demBranntweinproduzenten bezahlt werden, sondern auchdurch die hohen Inlandspreise, welche die Kartelle demheimischen Konsumenten auserlegen, wird dieser also

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