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Das Freihandelsargument / von Lujo Brentano
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bärtig zu bestehen vermocht hätte. Man war sogarimstande, unsern gefährlichsten Konkurrenten, den Eng-ländern, auf ihrem eigensten Gebiet mit Erfolg zubegegnen. Der Schutz, der von da ab verschiedenendeutschen Erwerbszweigen zuteil wurde, hatte vielmehrmit Friedrich List und seinen Erziehungszöllen nicht mehrdas geringste gemein. Fürs erste war er ein Erhaltungs-zoll. Angesichts der Ueberproduktion an Produktions-mitteln, wie sie zu Beginn der siebziger Iahre statt-gefunden, wollte man durch Sicherung wenigstens desheimischen Marktes die Industriellen, so weit möglich,vor allzu großer Entwertung ihrer Anlagen bewahren,und angesichts des plötzlichen Anpralls der überseeischenund russischen Getreidekonkurrenz erhielten die Land-wirte eine Frist, um sich auf andere Produktionszweigeals bloßen Getreidebau einzurichten. So kamen wirzu den Industrie- und Agrarzöllen des Iahres 1879.Soweit es sich um die Erleichterung der unter solchenUebergängen Leidenden handelte, konnte man vom srei-händlerischen Standpunkt noch zustimmen. Allein baldnahmen die Zölle einen anderen Tharakter an,- dennvöllig verschieden gestalteten sich die Wirkungen derneuen Zölle in der Praxis.

Zunächst von den Wirkungen der industriellenSchutzzölle. Auf dem Gebiet der Industrie begann dieAera der Kartells. Ich bin bekanntlich kein Feind derKartells an sich. Warum sollen sich die Industrieunter-nehmungen nicht ebenso zur Wahrung ihrer Interessenvereinigen, wie dies die Arbeiter tun? Kartelle könnenunter Umständen sehr segensreich wirken. Bei sinkenderKonjunktur können sie als Fallschirme diensn, um diezu hochgeflogene Produktion vor zu jähem Fall zu

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