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Das Freihandelsargument / von Lujo Brentano
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wesentlichen unverändert, und das Klasseninteresse dergroßen Grundbesitzer fügt neue Zölle für Rohproduktehinzu. Die Einfuhr fast aller namhaften Erzeugnisseder Landwirtschaft, vornehmlich des Schlachtviehs, wirdverboten oder mit Zöllen belegt, die dem verbot gleich-kommen- das Getreide unterliegt der Wandelskala,'Eisen und Stahl werden geschützt mit Rücksicht ausdie großen Waldbesitzer. Frankreich stand mit seinerHandelspolitik im Hintertreffen der gesitteten Völker;alle Nachbarstaaten wurden verletzt, selbst die Klein-staaten unseres Südens zu Netorsionen gezwungen, heil-los war vor allem die Einwirkung dieses handels-politischen Unsinns auf die öffentliche Moral. Niemalsvermochte die Negierung den Kammern genug zu tun,die mit erschreckender Schamlosigkeit ihre soziale Selbst-sucht aussprachen. Das Mißtrauen in die eigene Kraft,der Glaube, daß der Staat verantwortlich sei für dasMißgeschick der Trägen, nisten sich ein in den besitzendenKlassen.Ich fürchte mehr die Invasion des Schlacht-viehs als den Einfall der Kosaken, " sprach später dergroße Landwirt Marschall Bugeaud, so recht aus derSeele seiner Standesgenossen. Unterdessen stand derkleine Mann halb grollend, halb teilnahmslos zur Seite."Er muß zusehen," führt Treitschke aus^), als er achtIahre später in seiner Schrift über denSozialismusund seine Gönner" nochmals auf diese französischen Zu-stände zu sprechen kommt,wie ihm die unentbehrlichstenWaren verteuert werden, durch Schutzzölle, deren Ertragin die Taschen der Unternehmer wandert, und wird durchparteiliche Gesetze verhindert, mit vereinten Kräftenseine gerechten Ansprüche auf höheren Lohn durch-

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