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Walter Rathenau und seine Verdienste um Deutschland : Vortrag / von Lujo Brentano
Entstehung
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von ihm gegründeten 50 Aktiengesellschaften und wahrscheinlich Nocham Leben.

Aber was ihn leitete, war sein Patriotismus. Den hatte erschon früher betätigt. Der Krieg war ausgebrochen. Rathenau hatnicht zu denen gehört, die im Taumel, der damals das deutsche Volkergriff, sich in Sicherheit ob seines siegreichen Ausgangs gewiegthaben. 3m Gegenteil. Was seine Besorgnisse vor allem erregte, wardie Frage, ob Deutschland sich nicht schon nach Ablauf eines Jahreswegen Fehlens der zur Kriegführung unentbehrlichen Rohstoffe fürbesiegt erklären müsse. Deutschland ist ja von der Natur ein relativstiefmütterlich ausgestattetes Land. Nicht nur, daß es schon vor demKrieg für 3 Millionen Goldmark Nahrungsmittel einführen mußte,um seine Bevölkerung ernähren zu können,- seine Einfuhr an Roh-stoffen, durch deren Bearbeitung es sich vom Ausland die znr Be-zahlung der eingeführten Nahrungsmittel nötigen Fabrikate ver-fchafste, hat 1913 5 Millionen Goldmark betragen. Das einzige,woran wir Ueberfluß hatten, waren Kohle und Kali. Als nun Eng-land uns am 4. August den Krieg erklärte, wurde Deutschland zueiner' belagerten Festung. Woher die zur Kriegführung unentbehrli-chen Rohstoffe nehmen, wenn der vorhandene Bestand aufgezehrtwar? Die Frage hat Rathenau drei Tage nach der englischen Kriegs-erklärung ins preußische Kriegsministerium getrieben. Dort hörteer, daß man sich mit ihr noch gar nicht beschäftigt habe. Falken-hann erkannte aber sofort ihre überwältigende Bedeutung und be-traute ohne Zögern Rathenau mit der Organisation einer Kriegs-Rohstoff-Abteilung des Kriegsmimsteriums. Sie begann mit vierkleinen Zimmern, in denen vier Personen arbeiteten, um nach 8 Mo-naten eine ganze Straßenfront, in der mehr als 500 Beamte tätigwaren, einzunehmen. Das erste, was geschah, war die Bornahmeeiner Schätzung der vorhandenen unentbehrlichen Kriegsrohstoffe aufGrund einer beschränkten statistischen Aufnahme. Das zweite dieSchaffung eines neuen Begriffs der Beschlagnahme. Bis dahin wa-ren alle beschlagnahmten Objekte in das Eigentum des Staatesübergegangen. Von nun ab sollten sie ihrem bisherigen Eigentümerverbleiben,- auch sollte dieser sie beliebig veräußern können. Daseinzige, was die Beschlagnahme bewirkte, war, daß die beschlag-nahmten Waren nur mehr zu Kriegszwecken verwendet werdendurften. Die Kriegs-Rohstoff-Abteilung beorderte ihre Zuteilungan den Fabrikanten, der sie zur Ausführung eines erteilten Auf-trages benötigte und sie zu dem Zweck dem bisherigen Eigentümerabkaufte. So entstand eine planmäßige Organisation der deutschen Kriegsindustrie, die an die Methoden des Sozialismus und wenn