unsere Leistungsfähigkeit übersteigenden Zumutungen, ohne auch nurden Versuch unser Unvermögen darzutun, abweisen. Was auf diesemWege zu erreichen ist, hat unser Borgehen im Jahre 1921 gezeigt.Unsere der Londoner Konferenz unterbreiteten, ziffernmäßig formu-lierten Gegenvorschläge wurden von den Mliierten als indiskutabelbezeichnet, worauf die Konferenz abgebrochen wurde und Zwangs-maßnahmen gegen Deutschland verhängt wurden. Entwaffnet, hilf-los, blieb uns nichts übrig, als in alles von uns Verlangte zuwilligen. Das einzige Ergebnis unseres Auftretens in London war,daß, obwohl wir alles in London uns Auferlegte erfüllt haben,die damals von unseren Gegnern besetzten Städte Düsseldorf, Ruhr-ort und Duisburg noch heute von ihnen besetzt und wir außerstandesind, dem Rechte Geltung zu verschaffen. Unsere Lage hat sich infolgeUnseres Auftretens in London wesentlich verschlechtert.
Die Sache ist eben die, daß der Verbissenste unter unseren Geg-nern gar kein Interesse hat, daß wir erfüllen. Er aber schreit ammeisten über Nichterfüllung, weil er in dieser einen Rechtstitel suchtzur Erreichung seines eigentlichen Kriegszieles: der Annexion derRheinlande und der Zertrümmerung des Reiches. Dieser Gegner istFrankreich . In den russischen Geheimdokumenten, die auf Grundder Veröffentlichungen der Sowjets 1918 noch von der kaiserlichenRegierung in Berlin herausgegeben worden sind, findet sich ein be-zeichnender Briefwechsel zwischen Paris und der Regierung des rus-sischen Zaren. Paris verlangt, daß Rußland keinen Einspruch er-hebe, wenn Frankreich im definitiven Friedensschluß für sich nichtnur Elsaß-Lothringen, sondern auch die Rheinlande verlange! Pe-tersburg verlangt Konstantinopel für Rußland und — hören Sie —daß Frankreich beim Friedensschluß seine Stimme nicht zugunstenvon Polen erhebe. Aus dieser Grundlage verständigen sich die beiden.Und eben daß Frankreich infolge des Einspruchs von England dieRheinlande in Versailles nicht erlangt hat, ist der Vorwurf, dermit steigender Bitterkeit nicht nur von der französischen Militär-partei, sondern von den Tardieu und Genossen gegen Clemenceau erhoben wird.
Aber Poincars hat die Rheinlande nicht vergessen. Daher seinunausgesetztes Streben nach Besetzung des Ruhrgebietes. Mit die-ser wäre das letzte und wertvollste große Kohlenbecken Deutschlands in die Gewalt von Frankreich gebracht. Die deutsche Industrie, aufderen Leistungen wir angewiesen sind, wollen wir auch nur die vonuns benötigten Lebensmittel und Rohstoffe vom Ausland erhalten,geschweige denn die uns auferlegten Milliardenzahlungen entrichten,
10