Augenblick, wo es darauf ankommt, wahr zu machen, was wir sooft versprochen haben, alles, alles für unser Baterland hinzugeben,— läßt man sich durch die Agitation nicht Nur von Gegnern derheute einzig möglichen Staatsform, fondern auch von solchen, die,wie man aus der Reichstagsrede des Abgeordneten Emminger, woer geschichtliche Aenderungen in Aussicht stellt, schließen muß, über-haupt loswollen vom Reich, einschüchtern und erhebt den Einwand,daß Rechte der einzelnen Gliedstaaten geschmälert würden, wenndiejenigen Bestimmungen getroffen würden, die zur Erhaltung der,wie gleichzeitig anerkannt wird, heute allein möglichen Staatsformunentbehrlich sind. Ich habe in, unserer gegenwärtigen Regierungmehrere von mir hochgeschätzte frühere Schüler: aber trotz allerHochachtung für dieselben halte ich es für meine Pflicht, den Schmerzzu bekennen, den ich empfand, als die französischen Zeitungen denWiderstand Bayerns gegen die Beschlüsse der Reichsregierung aus-nützten, um die von ihnen erhoffte Spaltung Deutschlands zu pro-phezeien. Das, woran man Anstoß nimmt, ist, daß das Reich einenReichsgerichtshof zum Schutze seiner bestehenden Verfassung errich-ten will. Dadurch sieht man die Iustizhoheit der Gliedstaaten ver-letzt. Das Reich soll die Untersuchung und Aburteilung der gegenseine Existenz gerichteten Bestrebungen !den Staatsgerichtshöfen derGliedstaaten überlassen. Das wäre ganz schön, wenn es sich nur umBestrebungen handelte, die sich gegen die Staatsverfassung dieserGliedstaaten richteten. Aber es handelt sich ja in erster Linie umBestrebungen, die gegen die Verfassung des Reiches gerichtet sind!An solchen können auch Beamte der Gliedstaaten selbst teilnehmen.Und nun mutet man dem Reiche zu, auf seine eigene Iustizhohettzu verzichten und Bestrebungen, die gegen seine eigene Existenz ge-richtet sind, Staatsgerichtshöfen zu übertragen, unter deren Mit-gliedern sich möglicherweise auch Männer befinden, die eben die-sen Bestrebungen sympathisieren. Daß ich damit unserer Beamten-schaft nicht ungerecht Borwürfe mache, zeigt die Weigerung vieler,der deutschen Republik den Eid zu leisten. Wie vermag man über-haupt über Iustizhoheiten und lPolizeihoyeiten' zu streiten in einemAugenblick, in dem unsere Feinde schon jauchzen, daß der Tag naht,an dem jedwede deutsche Hoheit zu Ende geht! Das erinnert an dieStreitigkeiten auf sdem letzten deutschen Reichstag zu Regensburg ,ob der Vertreter dieses oder jenes Reichsstands das Recht habe,den Stuhl, auf dem er fitze, auf einen Teppich zu stellen, währendman in Frankreich schon die Trommel rührte zum Sturm, der demganzen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation das Ende be-reiten sollte.
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